Dreckige Engel
von Richard van Camp

Regie: Annette Berger
Produktion: WDR 2008
Bearbeitung: Annette Berger


Larry Sole: Tino Mewes
Bild: WDR/Sibylle Anneck
Bild: WDR/Sibylle Anneck

Clarence Jarome: Marc Hosemann
Mr. Ron: Andreas Grötzinger
Koala Mercier: Ulrich Haß
Dedrie: Kerstin Kramer
Onkel Franky: Claus-Dieter Clausnitzer
Sal Bright: René Heinersdorff
Eichmann, Zahnarzt: Oliver Krietsch-Matzura
Cember, seine Assistentin: Judith Wolf
Luke Oskirko: Jan-Peter Kampwirth
Hermann Trevor: Lars Schmidtke
Scott: Dustin Semmelrogge
Snowbird: Hans-Rolf Fuchs
Jungle: Omar El-Saeidi
Lila: Marylu Poolman
Rocko: Max Richter
Spring: Céline Vogt


Larry und Clarence, zwei junge Indianer, leben in einem Kaff im Norden Kanadas, wo die Temperatur regelmäßig unter minus 40 Grad fällt. Mit Musik, Drogen und Sex versuchen sie, gegen die Ödnis der Provinz anzukämpfen. Und mit ein paar krummen Touren, die ihnen das nötige Kleingeld verschaffen. Schließlich stoßen sie auf ein wirklich lukratives Geschäft: Mit manipulierten Spielautomaten werden sie bald reich. Bis sich die vietnamesische Mafia in ihr Revier einmischt. Mit dem Verteilungskampf wird auch die Rivalität unter den beiden Freunden härter. Zumal sich beide für das gleiche Mädchen zu interessieren scheinen. Aus Blutsbrüdern werden Feinde.

Richard van Camp, geboren 1971, ist Angehöriger der Dogrib-Indianer, eines Stamms im Norden Kanadas. Er schreibt Songs, Erzählungen und Gedichte. Für sein 1996 erschienenes Debüt "Die ohne Segen sind" erhielt er den begehrten Preis des Verbandes kanadischer Autoren, in Deutschland wurde das Buch mit dem Jugendliteraturpreis
2001 ausgezeichnet.


Bemerkungen:

Eine Geschichte über eine besondere Freundschaft, die dem Wandel des Lebens unterliegt. Zunächst beginnt alles sehr harmoisch. Larry und Clarence sind dicke Freunde - ordentliche Rabauken, aber mit goldenem Herzen. Sie versuchen Gutes zu tun, selbst wenn man dafür ungewöhnliche und kriminelle Wege gehen muss. Es geht so lange gut, bis sie dem brutalsten Schläger der Schule auflauern und es ihm so richtig heimzahlen wollen. Die Sache fliegt auf und Larry und Clarence werden wegen Körperverletzung gesucht. Sie fliehen und schlagen sich nun als Kleinkriminelle durchs Leben. Dann aber wird ihr einträgliches Geschäft bedroht, und neben diesem Druck, bekommen sich Larry und Clarence wegen einer Frau in die Haare - mit dem Ende der Freundschaft, endet auch die Geschichte.

Richard van Camps "Dreckige Engel" beginnt als leichte Teenieepisode und endet als tragisch bittere Gangstergeschichte, die den Hörer mit einem merkwürdigen Happy End zurücklässt. Die Helden entwachsen in einen neuen Lebensabschnitt, in dem sie sich nun nicht mehr brauchen, sich sogar im Weg wären. Van Camp schildert diesen Wandel grundsätzlich nachvollziehbar, allerdings ist der Bruch in diesem Hörspiel aufgrund der knappen Spielzeit doch recht groß. Der Übergang innerhalb des Plots hätte vielleicht etwas mehr Raum gebraucht, damit es etwas nachvollziehbarer wirken kann. So wirkt es etwas zu abrupt.

Die Inszenierung besticht zwar durch ein tolles Ensemble, lässt aber ein wenig die Kulisse vermissen. Zwar ist es für die Geschichte selbst kaum wichtig, wo das Stück spielt, aber es hätte dem Hörspiel sicherlich eine besondere Note gegeben, wenn man dem doch etwas ungewöhnlichen Handlungsort etwas mehr Ausdruck verliehen hätte. So ist "Dreckige Engel" ein wenig beliebig geraten und verschenkt mit den standardisierten amerikanischen Klischees ein paar Pluspunkte.

Ein gutes Hörspiel, aus dem man mit einer etwas anderen inhaltlichen Betonung und mehr Besonderheit in der Kulisse, vielleicht ein sehr gutes Hörspiel hätte machen können.

Meine Wertung: + + +  

 
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