Drehpunkt

von Nadja Küchenmeister
mit Zitaten aus "Beleuchtete Höhle" von Max Blecher

Musik: Paul Friedrich Frick, Jan Brauer und Daniel Brandt
Regie: Stefanie Lazai
SWR 2009
59 Min.




Nina: Eva Meckbach
Vater: Henrich Giskes
Mutter: Monika Hessenberg
Michaela: Lara Beckmann
Herr Ludwig: Ernst Konarek
sowie Rahel Ohm, Udo Schenk, Christine Oesterlein, Peter Sikorski, Jens Winterstein, Achim Hall, Marcus Michalski, Susanne Heydenreich, Johanna Hanka, Sebastian Kowski


© SWR/Peter A. Schmidt
Stefanie Lazai (Regie, li.) und Eva Meckbach als Nina

Foto: © SWR/Peter A. Schmidt


Plötzlich war da dieser Fremdkörper im Hals. Aber als Nina ihrem Vater davon erzählte, sagte der nur, sie bilde sich das ein und solle nicht immer in sich hineinhören, da werde sie noch verrückt. Die Mutter lebt vom Vater getrennt und hat genügend eigene Sorgen, seit ihr neuer Lebensgefährte Krebs im Endstadium hat. Nina hilft ihr im Haushalt. Der Vater meint, Nina müsse sich mit ihren siebzehn Jahren langsam überlegen, wie es weitergehen soll. Ein Studium erwarte er von ihr. Vor allen Dingen solle Nina nicht mit diesen Loser-Freunden rumhängen. Dabei ist unklar, was der Vater mit seinem eigenen Leben anfängt. Denn momentan sitzen Nina und er im Dunkeln, einen Weihnachtsbaum können sie sich nicht leisten und die Heizung ist auch abgestellt, weil die Rechnungen über Monate nicht bezahlt wurden. Und dann geschieht es, Nina wird von einer Angstattacke überrascht und weiß von da an nur, dass sie das nicht noch einmal erleben will. Doch wie sie jetzt ihren Alltag durchstehen soll und wie sie diese überwältigende Angst los wird, das weiß sie nicht.

Nadja Küchenmeister
geboren 1981 in Berlin, lebt dort als freie Schriftstellerin. Studium der Germanistik und Soziologie in Berlin. Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Veröffentlichungen u. a. in Akzente, TEXT+KRITIK, Neue Rundschau, Bella triste, Jahrbuch der Lyrik, Lyrik von Jetzt zwei, Frankfurter Anthologie. Sie erhielt das Berliner Senatsstipendium 2007 und das Förderstipendium der Kulturstiftung Sachsen 2009.


Bemerkungen:

"Drehpunkt" ist ein Stück, das den Hörer trifft. Die Geschichte von Nina und der Entwicklung ihrer Krankheit bewegt nicht nur aufgrund der Schilderung, sondern auch insbesondere, weil Eva Meckbach in der Lage ist, das Leben der Protagonisten sehr glaubhaft herüberzubringen. Die Probleme, die sie immer mehr bedrängen, sind dabei sehr real und erschrecken insofern, da hier ein glaubhaftes und durchweg vorstellbares Szenario abgebildet wird. Die Erzählung beginnt allerdings recht unnahbar, es dauert recht lange, bis die Geschichte den Hörer wirklich packt.

Neben Eva Meckbach und vielen anderen guten Sprechern hat mich eigentlich nur Heinrich Giskes weniger überzeugt. Er war mir in der Rolle des Vaters insgesamt zu sanft und zu nett, um diese gescheiterte Existenz darzustellen; da hätte ich mir etwas mehr Klischee gewünscht.

Die Inszenierung besticht mit einer sehr ruhigen, aber durchweg passenden Musikkulisse. Etwas gewöhnungsbedürftig fand ich die sehr nüchternen Einschübe medizinischer Erklärungen, zumal sie mir etwas zu oft eingesetzt wurden - hier hätte man auf die eine oder andere Passage vielleicht auch verzichten können, gerade wenn diese Bemerkugen in zu kurzen Abständen notwendig werden.


Ein Hörspiel mit besonderer Note, das den Hörer sicherlich nicht kalt lässt. Allerdings muss man sich hier etwas gedulden, bis man von der Geschichte gefangen genommen wird.

Meine Wertung: + + +

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