Andreas Ammer

Eigentum am Lebenslauf. Das Gesamte im Werk des Alexander Kluge

Komposition:
Console/Martin Gretschmann
Realisation: Andreas Ammer
53’59
BR 2007

Alexander Kluge hat in seinem Leben viel erzählt. "Lebensläufe" hießen die Geschichten, mit denen der spätere Filmemacher und Fernsehgestalter Anfang der 60er Jahre erstmals als Schriftsteller öffentlich auftrat. Sie seien "teils erfunden, teils nicht erfunden. Zusammen ergeben sie eine traurige Geschichte“. Als am Ende des Jahrtausends dann Kluge sein 'summum opus', die vieltausendseitige "Chronik der Gefühle" vorlegte, trug deren zweite Hälfte immer noch den gleichen lakonischen Titel: "Lebensläufe". Viel mehr jedoch hat Alexander Kluge in seinem Leben erzählen lassen: In seinen TV-Magazinen ist er der geduldige Zuhörer, der jeden seiner Gäste bis an die Grenze des Erträglichen davon erzählen lässt, was ihr Leben und die gesamte Welt im Innersten zusammenhält. Erzählen / lassen. Für "Eigentum am Lebenslauf" hat Andreas Ammer diese beiden Facetten des Alexander Kluge dialektisch zusammengefügt und daraus ein Hörspiel produziert. Zusammen mit Kluge hat er aus dessen erzählerischem Gesamtwerk ein Stück unmittelbares Radio gemacht. Halb Erzählung, halb große Oper, immer Lebenslauf und also ‚eine traurige Geschichte’, die – wenn nicht vor 630 Millionen Jahren – dann vielleicht an dem Tag beginnt, als Walter Benjamin 1056 Meter entfernt von dem Haus übernachtete, in dem Alexander Kluge zwei Monate später, am 14.2.1932, geboren werden sollte.

Andreas Ammer, geb. 1960, Journalist und freier Autor für Hörfunk und Fernsehen. BR-Hörspiele u.a. "Orbis Auditus" (1990, Hörspiel des Jahres), "Apocalypse Live" (gemeinsam mit FM Einheit und Ulrike Haage, 1994, Hörspielpreis der Kriegsblinden, Prix Italia), "Lost & Found: Das Paradies" (gemeinsam mit FM Einheit, 2004).