| Ernst
Toller: Eine Jugend in Deutschland |
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Autor: |
Ernst Toller |
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Produktion: |
BR / der hörverlag 2008 |
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Regie: |
Katja Langenbach |
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Musik: |
Jakob Diehl |
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Länge: |
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Mitwirkende: |
Steven Scharf, Annette Paulmann, Brigitte Hobmeier,
Elisabeth Wasserscheid, Julia Loibl, Anna Barbara Kurek, André
Jung, Martin Carnevali, Oliver Losehand, Michael Tregor, Oliver
Mallison, Andreas Bittl, Michael A. Grimm, Ferdinand Schmidt,-Modrow,
Stefan Wilkening, Paul Herwig, Maximilan Brückner, Rudolf Waldemar
Brehm, Wolfgang Menardi, David Herber, Philip Götz
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Inhalt: |
1933 erschien im Amsterdamer Exilverlag Querido
Eine Jugend in
Deutschland, der autobiographische Roman des expressionistischen Autors
Ernst Toller.
1893 geboren in einem behüteten jüdischen Elternhaus
erlebt
er in Frankreich den Ausbruch des Ersten Weltkrieges als Literatur-,
Philosophie- und Jurastudent. Sofort reist der Patriot Toller nach
Deutschland, meldet sich freiwillig als Soldat und wird Unteroffizier.
An der Front lernt er den Krieg aus nächster Nähe
kennen. Der
Enthusiasmus für den Kampf für das Vaterland
schwindet
schnell. Von den Grausamkeiten des Krieges und dem Massensterben an der
Front erschüttert, erkrankt er schwer und wird
kriegsuntauglich.
Toller setzt in München sein Studium fort und trifft dort u.a.
Thomas Mann, Frank Wedekind und Rainer Maria Rilke. In Heidelberg lernt
er Max Weber kennen und ist Mitbegründer des Kulturpolitischen
Bunds der Jugend in Deutschland, der „für eine
friedliche
Lösung der Widersprüche des
Völkerlebens“ und
„Abschaffung der Armut“ kämpfen will. Die
Reaktion auf
die Gründung folgt auf dem Fuß: alle
männlichen
Mitglieder des Kampfbundes werden als kriegstauglich in die Kasernen
geschickt. Toller aber liegt im Krankenhaus und ist deswegen
für
die Militärbehörden nicht greifbar. Er kann
rechtzeitig
fliehen und kämpft, durch seinen Einsatz an der Front zum
entschiedenen Kriegsgegner geworden, in München an der Seite
Kurt
Eisners gegen die Verantwortlichen des Kriegs. Nach seiner Teilnahme an
Kundgebungen wird er verhaftet und nutzt die Zeit im
Militärgefängnis, die Schriften von Marx, Engels und
Rosa
Luxemburg zu studieren. Vom Ausbruch der Revolution Anfang November
1918 erfährt er im Krankenbett. Die Arbeiter in den Fabriken,
die
Kriegsgeschädigten, Studenten, Bürger, ziehen in die
Kasernen
der Städte, wo sich die kaiserlichen
Militärmächte den
rebellierenden Massen ergeben. Der Arbeiter- und Soldatenrat
wählt
Kurt Eisner zum ersten Ministerpräsidenten des neu
ausgerufenen
Freistaates Bayern.
Kurt Eisner wird am 21. Februar 1919 auf offener Straße
ermordet.
Der Zentralrat der Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte
übernimmt die Regierungsgewalt. Am 7. April 1919 wird die
erste
Münchner Räterepublik ausgerufen. Sie ist der
Versuch, aus
dem aus dem Königreich Bayern entstandenen Freistaat einen
sozialistischen Staat in Form einer Rätedemokratie zu
schaffen.
Toller wird der Vorsitzende ihres Zentralrates. Nach nur sechs Tagen
wird der von der USPD geführte Zentralrat von den Kommunisten
abgesetzt und die zweite Münchner Räterepublik
ausgerufen.
Auch an dieser zweiten Räterepublik beteiligt Toller sich
aktiv.
Er kämpft als Truppenführer der „Roten
Armee“ an
vorderster Front in der Umgebung von Dachau. Doch auch die zweite
Räterepublik stellt sich als nicht stabil heraus; am 2. Mai
durch
die weißen Truppen mit viel Blutvergießen
niedergeschlagen.
Alle Mitglieder des Vollzugsrates werden verhaftet, nur Toller kann
sich verbergen. Er wird polizeilich gesucht, Unterschlupf ist nur
schwer auffindbar, und alle, die ihn decken oder verstecken, schweben
ebenfalls in Lebensgefahr. Er wird in einem seiner Verstecke
aufgegriffen und im Juni 1919 zu fünf Jahren Festungshaft
wegen
Hochverrats verurteilt. Während er in mehreren bayerischen
Gefängnissen seine Strafe absitzt, findet an der
Volksbühne
Berlin die Uraufführung seiner Dramen Die Wandlung (1919) und
Masse Mensch (1921) statt. Toller wird ein bekannter Dramatiker. Um ein
Zeichen gegen die unmenschlichen Haftbedingungen zu setzen, tritt
Toller in den Hungerstreik. Nach seiner Entlassung wird er nach Sachsen
abgeschoben.
Auch an der zweiten Münchner Räterepublik beteiligt
Toller
sich aktiv. Er kämpft als Truppenführer der Roten
Armee an
vorderster Front in der Umgebung von Dachau. Doch auch diese
Räterepublik stellt sich als nicht stabil heraus, sie wird
durch
Freikorps und Reichswehren mit viel Blutvergießen
niedergeschlagen. Alle Mitglieder des Vollzugsrates werden verhaftet,
Toller versteckt sich. Er wird polizeilich gesucht. Alle, die ihn
decken oder verstecken, schweben ebenfalls in Lebensgefahr. Er wird in
einem seiner Verstecke aufgegriffen und im Juni 1919 zu fünf
Jahren Festungshaft wegen Hochverrats verurteilt. Während er
in
mehreren bayerischen Gefängnissen seine Strafe absitzt, findet
an
der Volksbühne Berlin die Uraufführung seiner Dramen
Die
Wandlung (1919) und Masse Mensch (1921) statt. Toller wird ein
bekannter Dramatiker. Um ein Zeichen gegen die unmenschlichen
Haftbedingungen zu setzen, tritt Toller in den Hungerstreik. Nach
seiner Entlassung wird er nach Sachsen abgeschoben.
Ernst Toller, geb. am 1. Dezember 1893 in Samotschin, Kreis Kolmar,
Kriegsfreiwilliger, Pazifist, Revolutionär, Schriftsteller,
Führer der Räteregierung, gewählter
Abschnittskommandant
der Roten Armee an der Front vor Dachau, tauchte bei der Eroberung
Münchens durch Freikorps und Reichstruppen unter, wurde am 4.
Juni
1919 in Schwabing verhaftet und als Vorsitzender des Zentralrates in
der Münchner Räterepublik wegen Hochverrats zu
fünf
Jahren Festung verurteilt. Als Dramatiker in den 20er Jahren
weltberühmt, den Nazis als Jude, Revolutionär,
Schriftsteller
verhasst wie kaum ein anderer. 1933 infolge der Machtübernahme
der
Nationalsozialisten Emigration, zuerst in die Schweiz, danach nach
England und in die USA. Selbstmord am 22. Mai 1939 im Mayflower Hotel
in New York als Folge schwerwiegender psychischer Probleme, dem
Gefühl politischer Ohnmacht und der Nichtbeachtung als
Schriftsteller in den USA.
Werke u.a. Die Wandlung (Drama, 1919), Masse Mensch (Drama, 1921), Der
Tag des Proletariats (Gedichte, 1921), Die Maschinenstürmer
(Drama, 1922), Fünfzehn Bilder aus der großen
französischen Revolution (Drama, 1922), Der deutsche Hinkemann
(Drama, 1923), Der entfesselte Wotan (Drama, 1923), Erwachen (Drama,
1924), Hoppla, wir leben (Drama, 1927), Feuer aus den Kesseln (Drama,
1930), Die blinde Göttin (Drama, 1933), Eine Jugend in
Deutschland
(autobiographischer Roman, 1936), Briefe aus dem Gefängnis
(Briefsammlung, 1935), Pastor Hall (Drama, 1939). Die Gesammelten Werke
erschienen 1978 im Münchner Hanser-Verlag.
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Bemerkungen:
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Ernst Tollers
Autobiografisches Werk über seine Entwicklung vom Abiturienten,
der sich freiwilig zum Kriegsdienst meldet, bis hin zum
Revolutionär und Pazifisten, mit allen Widersprüchen, die
diese beiden Positionen mit sich bringen, ist auch Grundlage dieser
Hörspielbearbeitung.
Eine interessante und zugleich fesselnde und auch erschreckende
Lebensgeschichte, die, rein vom Inhalt her gesehen, über die
gesamte Spielzeit das Hörinteresse oben hält. Wobei es Toller
dem Hörer nicht einfach macht, da seine Vorlage im Erzählstil
doch recht ungewöhnlich ist und man eben diesen Stil recht gut in
die Produktion übertragen konnte.
Das wirkt zunächst etwas merkwürdig und man benötigt
schon einige Zeit, um sich daran zu gewöhnen. Hinzu kommt, dass
die szenische Lesung insgesamt etwas zu distanziert ist und man hat den
Eindruck, dass man hier mit zuviel Sachlichkeit dem Thema gerecht
werden wollte. Das mag ein nachvollziehbarer Weg sein, mir hat
allerdings ein wenig die Leidenschaft gefehlt.
Immerhin hat man die Art dieser Inszenierung auch konsequent in die
Besetzung getragen. Hier kommen weniger gestandene
Hörspielsprecher zum Einsatz, als Schauspieler, die den Text in
den Fokus rücken und dabei das szenische Zusammenspiel in den
Hintergrund treten lassen.
Eine in jeder Hinsicht interessante Produktion, die allerdings
vielleicht aufgrund der etwas zu eigenwilligen Umsetzung nicht jeden
Hörer erreichen wird. Verdient hätte sie es auf jeden Fall,
denn der wichtige Ausschnitt aus Tollers Leben hat schon allein
aufgrund des realen Bezuges zu einem historischen Thema, über das
vielfach nur eine grobe Kenntnis vorhanden ist, Relevanz.
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