| Einer zahlt seine Schuld
|
| |
Autor: |
Axel Eggebrecht |
| |
Produktion: |
SWF 1951 |
|
Regie: |
Karl Peter Biltz |
|
Musik: |
Karl Sczuka |
| |
Länge: |
50 Min. |
Mitwirkende: |
Eugen Imminghofen: Paul Henckels
Klara Imminghofen: Thea Grodtczinsky
Leiter des Fußballtoto: Alois Garg
Teppichverkäufer: Hans Timerding
Inspektor vom Finanzamt: Otto-Ernst Lundt
Senator f.d.Finanzwesen: Hanns Bernhardt
Ministerialrat in Bonn: Günter Gube
Ministerialdirektor: Wolfgang Golisch
Präisident: Willy Reichert
Kriminalinspektor: Paul Dättel
Universitätsprofessor: Arno Ebert
Baumeister: Horst Beilke
Postbote: Ernst Sladeck
Hilde Engel, Margret Hoffmanns, Sonja Karzau, Kurt Ebbinghaus, Klaus
Friedrich, Georg Michael, Albert Pasch, Wolfgang Regentrop, Benno
Schurr, Joost Siedhoff, Alexander Zawandski, u.a.
|
Inhalt: |
Schlossermeister Immighofen hat im Toto gewonnen. 17.000 Mark
steuerfrei. Das ist 1950 sehr viel Geld. Natürlich wird zuerst einmal
groß eingekauft. Aber dann kommt er zur Besinnung. Erst vor kurzem
stand in der Zeitung, daß die durch den Krieg bedingten Staatsschulden
pro Kopf der Bevölkerung 6.200,45 Mark betragen. Als Mann von
Gemeinsinn entschließt sich Immighofen, seinen Anteil an der 'großen
Schuld, die alle haben, aus all den Jahren' sofort zu bezahlen.
Natürlich wird er von den Beamten nicht ernst genommen. Aber Immighofen
ist störrisch. Er will nicht einsehen, daß die Staatsschuld eine bloße
Fiktion sei. Schließlich sind die vielen Trümmer und Bombenschäden auch
keine Fiktion!
Als Axel Eggebrecht im Alter von 84 Jahren nach der Verleihung des mit
15 000 Mark dotierten Gerrit-Engelke Preises gefragt wurde, was er mit
dem Geld anfangen wolle, antwortete er ernsthaft und durchaus
glaubwürdig: "Das lege ich mir beiseite, damit ich im Alter was auf der
hohen Kante habe." Sein Lebensziel, 101 Jahre alt zu werden, und damit
nicht nur in drei Jahrhunderten, sondern auch in zwei Jahrtausenden
gelebt zu haben, erreichte der 1899 geborene Axel Eggebrecht nicht. Er
starb 1991 in Hamburg an den Folgen eines Sturzes. Eggebrecht wurde in
Leipzig als Sohn eines Arztes geboren. Er arbeitete als Bücherbote,
Packer, Regieassistent, Dramaturg der UFA und als Mitarbeiter der
"Weltbühne" zusammen mit Siegfried Jakobsohn, Kurt Tucholsky und Carl
von Ossietzky. Nach der Inhaftierung in einem Konzentrationslager
rettete sich Axel Eggebrecht mit dem Schreiben von Drehbüchern (u.a.
Bel ami) über die Zeit des Faschismus. Im Jahr 1945 holten die
Engländer Eggebrecht zum Besatzungssender Hamburg, wo er mit Peter von
Zahn und Ernst Schnabel den bald zum Mythos gewordenen
Nordwestdeutschen Rundfunk aufbaute. Er war Abteilungsleiter, sprach
Kommentare, schrieb Hörspiele und Features, leitete Diskussionen. Aus
Protest wegen der zunehmenden parteipolitischen Einflußnahme verließ
der "Rundfunkmann der ersten Stunde" 1949 den Sender, blieb aber dem
Funkhaus am Rothenbaum weiterhin als freier Mitarbeiter treu. Berühmt
wurden vor allem seine Berichte und Kommentare zum Auschwitz Prozeß und
die wöchentliche Rundfunksendung" Axel Eggebrecht spricht". Als er
wenige Jahre vor seinem Tod in einem Interview gefragt wurde, was ihm
lieber als Schreiben und Diskutieren sei, antwortete er: "Autofahren".
Übrigens sein erstes Auto kaufte Axel Eggebrecht von Erich Maria
Remarque, gebraucht.
|
Bemerkungen:
|
Das Radiourgestein Axel Eggebrecht legt hier ein sehr
vergnügliches, hintergründiges und - wie die Erfahrung zeigt
- auch zeitloses Stück vor. Eine Satire, die eigentlich keine ist,
denn hier wird inhaltlich kaum etwas überhöht, sondern
unser Titelheld agiert eher als unbewusster Eulenspiegel, der sich in
seiner Mission weder vom Kopfschütteln der Beamtenschar noch vom
Gefängnis bremsen lässt.
Sein Weg führt ihm schließlich bis zum Bundespräsidenten (grandios gespielt vom großen Willy Reichert).
Dieses Hörspiel hat mich sehr gut unterhalten. Es wirkt
natürlich ein wenig staubig, kann aber inhaltlich überzeugen
und ist dazu vom Grundsatz noch immer aktuell.
Hier darf man gerne einschalten.
|
|