Ein Inspektor kommt
Von John B. Priestley

Regie: Werner Grunow
Bearbeiter: Werner Grunow
Rundfunk der DDR 1975


Arthur Birling: Dietrich Körner
Sybil, seine Frau: Marion van de Kamp
Sheila, seine Tochter: Renate Geißler
Eric, sein Sohn: Arno Wyzniewski
Gerald Croft: Volkmar Kleinert
Edna: Gloria Jadwiga
Inspektor Goole: Horst Hiemer


Im Hause des englischen Industriellen Arthur Birling wird Verlobung gefeiert. Unerwartet kommt ein Polizeiinspektor, der den Selbstmord eines Mädchens untersucht. Bei der Beantwortung seiner Fragen stellt sich bald heraus, dass jeder der Anwesenden in den Fall verwickelt ist. Der Inspektor lässt eine völlig verwirrte und streitende Familie zurück. Eine Nachfrage bei der Polizei ergibt, dass dort niemand den Inspektor kennt. Die gute Stimmung will dennoch nicht wieder aufkommen.


Bemerkungen:

"Ein Inspektor kommt" klingt zunächst wie ein typischer Krimi - und nach der ersten halben Stunde könnte man meinen, es sei noch nicht mal ein guter. Ein Polizist "ermittelt" im Fall des Selbstmord eines Mädchens. Eine reiche Industriellenfamilie ist darin verwickelt - Jede einzelne Person hat dafür gesorgt, dass die Vita des Opfers immer wieder zusammenbrach, just wenn sie dabei war sich wieder aufzurappeln.

Das mutet nicht nur die Familie seltsam an, es dürfte auch beim Hörer einige Fragezeichen hinterlassen. Dann wird aber schnell klar, dass hier der Sinn eben nicht darin liegt, mit einem Whodunnit zu unterhalten, sondern eine Morallektion mitsamt einer guten Portion Kapitalismuskritik zu bringen.

Das hat - gerade im Hinblick auf die recht unwahrscheinlichen Zufälle, dass alle mit dem Schicksal des Opfers zu tun haben - schon einen leichten Geschmack von Holzhammer. Dann aber überzeugt man mit einem extrem wendungsreichen Finale, das die Geschichte nochmal auf eine andere Ebene hebt, und man so für ein bemerkenswertes Ende sorgt.

Die Inszenierung setzt bei diesem Kammerspiel nur auf die gute Ensembleleistung. Das genügt vollkommen, um die Geschichte zu erzählen.


"Ein Inspektor kommt" ist ein Hörspiel, dass auf einem Krimisendeplatz eher unpassend gesetzt ist, denn dieses Genre dient nur als Trägerfolie für ein Moralstück, das vielleicht ein wenig dick aufträgt, aber mit einem höchst überzeugenden Finale den Hörer mehr als versöhnen dürfte. Hier kann ich das Einschalten nur empfehlen.

Meine Wertung: + + + +

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