Einsingzimmer

von Annette Schönmüller und Lucas Cejpek

Regie: Lucas Cejpek
ORF 2008
36 Min.


Mit Petra Morzé


Schuster haben bekanntlich einen anderen Blick auf Schuhe als Nicht-Schuster. Schneider betrachten Kleider anders als deren Träger und Zeitungsmacher studieren Zeitungen anders als deren Leser. Das gesellschaftliche Sein, sagte dereinst Karl Marx, bestimmt das Bewusstsein. Es steuert die Wahrnehmung und leitet den Blick.

Eine ausgesprochen spezifische Sicht auf die Welt präsentieren nun der Wiener Schriftsteller und Regisseur Lucas Cejpek und die in München geborene Mezzosopranistin und Musikerin Anette Schönmüller in ihrem Text "Einsingzimmer". Eine namenlose Sängerin, dargestellt von Petra Morzé, erzählt darin von den Mühen, überall und jederzeit geeignete "Einsingzimmer" zu finden. Denn ähnlich wie Sportler, die sich vor dem Wettkampf aufwärmen, singen sich Sopranistinnen und Tenöre vor ihren Auftritten eben "ein".

Weil es aber nicht überall geeignete Einsingzimmer gibt, erzählt die Sängerin, erfindet man welche. Und führt die Hörerinnen und Hörer in einer nicht unkuriosen akustischen Reise durch alle jene Orte, die sie vor ihren Auftritten benützt, um sich aufzuwärmen: Durchgänge, Aufzüge, Keller, Toiletten und Wendeltreppen


Bemerkungen:

Ein Hörspiel über den universellen Raum des Einsingzimmers, klingt spektakulär....

Gleich zu Anfang fällt ein wichtiger Satz: "Der Raum spielt keine Rolle". Klar, will man damit nur ausdrücken, das der tatsächliche Ort nicht festgelegt ist und man von der Toilette bis zum Heizungskeller jeden Raum als "Einsingzimmer" nutzen kann. Aber er spiegelt schon wieder, wo der Hörwert dieser Produktion einzuordnen ist. Natürlich mag es für den einen oder anderen interessant sein, wie und wo sich Sänger auf ihren Auftritt vorbereiten. Ob man allerdings für die Weitergabe dieser Information 36 Minuten Hörspielzeit nutzen muss, sehe ich zumindest kritisch.

Persönlich habe ich mich, nachdem die grundlegenenden Informationen geflossen waren, doch recht gelangweilt, da mich Details über die akustische Verwertbarkeit von Nebenräumen nur bedingt zu fesseln vermögen. Es mag natürlich Hörer geben, die das ganz anderes sehen, und die sind natürlich hier herzlich eingeladen, geführt von Petra Morzé, durch die Hinterzimmer zu wandern.

Inhaltlich war mir das viel zu wenig, so dass die ordentliche, technisch nicht zu beanstandende Darstellung leider hier auch nicht viel retten konnte.
   
Meine Wertung: -  
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