Ein Zimmer im Haus des Krieges
  Autor: Christoph Peters
  Produktion: SWR 2009
Bearbeitung: Beate Seidel
Komposition: Nora Thiele
Regie: Günter Maurer
  Länge: 86 Min.

Mitwirkende:

Sebastian Kowski, Stipe Ercek, Cornelia Schönwald, Susanne Heydenreich, Bijan Zamani, Wolf Rahlfs, Taner Sahintürk, Florian von Manteuffel, u. a.
Bild: SWR/Kluge Bild: SWR/Kluge

Inhalt:

„Weshalb fasst ein 30-jähriger Mann aus Deutschland den Entschluss, sich einer ägyptischen Terrororganisation anzuschließen?“ Claus Cismar, deutscher Botschafter in Kairo, beschäftigt dieser Fall weit über die beruflichen Grenzen hinaus. Er muss den deutschen Islamisten Jochen Sawatzky, dessen Anschlag fehlgeschlagen ist, im ägyptischen Gefängnis besuchen. Seine Aufgabe ist es, weitere Folterungen zu verhindern und die Auslieferung nach Deutschland durchzusetzen. Als Cismar bei dem Versuch, die brutale Gewalt der Islamisten zu begreifen, die Nerven durchgehen und er „Gegen welchen Angriff verteidigen Sie sich?!“ brüllt, echot in seinem Kopf die Stimme seines Vaters: „Und was, bitte schön, hat Vietnam mit einem Kaufhaus in Frankfurt zu tun!?“ Cismar war damals still aus dem Zimmer gegangen, hatte seinem Vater nichts entgegnet. Cismar war Anwalt geworden, dann Botschafter, er hatte Karriere gemacht, statt weiter auf Demos zu gehen. Sawatzky sagt ruhig: „Wollen Sie mir erklären, dass es sich bei der Besetzung Palästinas, dem Krieg im Irak, der Frage, wer die Ölreserven kontrolliert um voneinander isolierte Phänomene handelt?“ Cismar muss sich schließlich fragen, ob sein Glaube an die Veränderung der Gesellschaft in kleinen Schritten nicht ebenso naiv und größenwahnsinnig ist wie der Traum von ihrer Zerstörung durch Terror.

Bemerkungen:

Dieses Hörspiel hat mich nach wenigen Minuten, in denen man sich in die Erzählweise einfinden musste, vollkommen in seinen Bann gezogen. Eine unglaublich drastische, aber ohne übertriebene Effekthascherei erzählte Geschichte. Der deutsche Terrorist Jochen Sawatzky erzählt von den Momenten unmittelbar vor, während und nach einem missglücktem Anschlag. Ein unglaublich faszinierender Bericht, der in seiner Intensität und Detailtreue absolut glaubwürdig ist.

Nach Sawatzkys Verhaftung tritt sein Gesprächspartner Cismar auf, ein Diplomat, der für die Abwendung der Todesstrafe und ggf. die Überstellung nach Deutschland sorgen soll. Dessen Auftauchen und die Figur selbst, sind recht vielversprechend. Aber nach einiger Zeit stellt sich hier Ernüchterung ein. Cismar ist ein merkwürdiger, fast unglaubwürdiger Charakter. Seine Verhaftung als Alt-68er verspricht zwar eine interessante Konfrontation, diese entpuppt sich allerdings ein wenig als Luftnummer. Das nimmt leider dem Stück ab der Hälfte der Spielzeit  etwas die Fahrt und so folgt dem erstklassigen Anfang doch eher ein - zwar noch immer gutes - aber doch schon deutlich flacheres Ende.

Die Umsetzung ist durchaus gelungen. Die Szenen werden passend zu den Handlungsorten mit unaufdringlicher Musik unterlegt. Die Geräuschkulisse ist minimal -auch in den spektakulären Szenen zu Anfang. Das passt gut zur gewählten Erzählweise, da es den Fokus auf dem Text lässt.

Wäre das Hörspiel insgesamt so, wie die erste Hälfte, wäre "Ein Zimmer im Haus des Krieges" ein richtiger Knaller geworden und hätte an der Höchstwertung gekratzt. Die inhaltlich zwar noch immer interessante, aber etwas unspektakuläre und verwässerte zweite Hälfte zieht das aber etwas nach unten.
   
Meine Wertung: + + +
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