| Erreger von Albert Ostermaier Komposition: Andrew Pekler Regie: Ulrich Lampen BR 2001 42 Min. Mit Christoph Waltz Wie real ist der Virus im System eines Menschen, der in der virtuellen Welt der Börsenmonitore lebt? Wie fiktional wird für ihn die Welt, wenn ihm seine Realität, sein täglicher Hochleistungssport im Parkett des Börsensaals entzogen wird? Ein Trader gerät urplötzlich in Quarantäne: "ich bin einfallsreich kreativ jung skrupellos hoch motiviert die gesellschaft kann es sich nicht leisten mich zu verlieren.“ Der Börsenmakler findet sich in einem hermetisch abgeriegelten, aber permanent observierten Zimmer wieder. Und seine Gedanken rennen in einem Monolog um sein Leben. Aufstieg und Fall, Bullen- und Bärenjagd, Halten und Abstoßen durchlaufen die Reflektionen, die eine scharfe Trennung seiner Welten zu keinem Moment zulassen. "Versagen ist eine heilbare Krankheit“‚ heißt es in Praxis und Psychologie des Börsenhandels. "Erreger" spielt mit dem alltäglichen Wahnsinn der Geldmacher. "verdiene geld verdiene es wenn du kannst auf anständige und ehrliche weise falls nicht verdiene es irgend wie.“ Der Monolog ist Gegenentwurf und zugleich Fortsetzung des Hörspiels "Radio Noir", das der BR 1999 produzierte. Albert Ostermaier, geb. 1967 in München, Lyriker und Dramatiker. Auszeichnungen u.a. Kleist-Preis (2003). Publikationen u.a. "Herz Vers Sagen" (1995), "Autokino" (2001). "Polar" (2006). BR-Hörspiele u.a. "Calcuttaphonie" (2000), "Vatersprache" (2003), "Bewegungsmelder" (2004). Bemerkungen: Ein Hörspielmonolog, der den Hörer mit Phrasen zuwirft, aus denen sich das Bild des Erzählenden für den Hörer zusammensetzt. Ebenso hektisch und chaotisch, wie seine Profession ist auch sein Auftreten. Dieser Hörspielmonolog lebt insbesondere von Christoph Waltz, dessen recht gute Performance aber auch nur bedingt Akzente setzen kann. Man nimmt ihm zwar die Rolle ab, das Hörspiel bleibt aber auf Distanz und drängt sich dem Hörer wahrlich nicht auf. Trotz nur 42 Minuten gelang es "Erreger" nicht, mein Hörinteresse durchweg oben zu halten. Ein paar gelungene Momente und eine gute schauspielerische Leistung reichen hier leider nicht. Meine Wertung: + / - |
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