| Erzählungen aus Kolyma Von Warlam Schalamow Aus dem Russischen von Gabriele Leupold Hörspielbearbeitung und Regie: Martin Heindel ![]() Bild: rbb/Hanna Lippmann Komposition: Ralf Haarmann rbb 2010 56 Min. Mit Max und Peter Simonischek, Oliver Bröcker, Fabian Busch, Klaus Herm, Andre Kaczmarczyk, Alexander Khuon, Lars Rudolph u. a. Mit tausenden anderen verbrachte Warlam Schalamow zwischen Ende der 1920er und Mitte der 50er Jahre lange Zeit in Sowjetischen Arbeitslagern. In der klirrenden Kälte Sibiriens, in der Region um den Fluss Kolyma herum, kämpften die Häftlinge unter miserablen Bedingungen tagtäglich gegen Skorbut, Dauerfrost, Erschöpfung und Hunger an. „Wenn ich am Leben bleibe, schreibe ich darüber eine Geschichte“ sagt ein Häftling im Stück. Drei Wochen später ist er tot. Anders als seine Romanfigur, hat Warlam Schalamow die insgesamt neunzehn Jahre, die er in Zwangsarbeit verbringen musste, überlebt. „Erzählungen aus Kolyma“ ist nun seine Geschichte über eine Zeit des Leidens und gleichzeitig ein Stück Weltgeschichte. Der Autor lässt uns tief eintauchen in das Leben im sibirischen Arbeitslager, ohne sich jemals in rein persönlichen Leidensberichten zu verlieren. Hier zählt immer nur der nächste Tag, es gilt Kräfte zu sammeln um irgendwie weitermachen zu können. Ein Pferd, so Schalamow, könnte unter diesen unmöglichen Bedingungen nicht überleben. Doch etwas lässt die Menschen in den Lagern verbissen am Leben festhalten … Warlam Tichonowitsch Schalamow, 1907 im nordrussischen Wologda als Sohn eines orthodoxen Geistlichen geboren, ging 1924 nach Moskau, um dort „sowjetisches Recht“ zu studieren. 1929 wurde er wegen „konterrevolutionärer Agitation“ zu Lagerhaft im Ural verurteilt. 1931 kehrte er nach Moskau zurück, wo er 1937 zum zweiten Mal verhaftet wird. Es folgte die Deportierung in die Kolyma-Region im Nordosten Sibiriens. 1956 durfte er nach Moskau zurückkehren, wo er 1982 starb. Bemerkungen: Die "Erzählungen aus Kolyma" erzählen vom unmenschlichen Leben in einem sibirischen Gulag. Die Schilderungen der extremen Situationen sind bedrückend in ihrer schonungslosen Glaubwürdigkeit. Diese wird durch die gleichfürmige Erzählweise, die nicht auf Spannungspunkte ausgelegt ist, unterstrichen. So fesselnd die Geschichte, so gewöhnungsbedürftig die Umsetzung. Sicherlich, es gelingt, der Vorlage ein eigenes Hörspielgesicht zu verleihen, in dem man die erzählenden Struktur eine Spielebene hinzufügt. Es wirkt so, wie ein Hybrid aus Lesung und Hörspiel, was den berühmten "Weder Fisch, noch Fleisch"-Effekt mit sich bringt. Es dürfte sehr vom Geschmack des Hörers abhängen, ob diese Inszenierung greift. Eine packende und bedrückende Geschichte in einer Inszenierung, die mich leider nicht restlos überzeugt hat. Meine Wertung: + + + |
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