Essen Viehofer Platz (Langensiepens zweiter Fall)

von Jürgen Lodemann

Regie: Frank-Erich Hübner
WDR 1988
114 Min.


Rudolf Langensiepen: Eberhard Feik
Rosa Bergmann: Anja Kruse
Kirchberg: Wolfgang Schwalm
1 Mann/Stimme (Saufkopp): Horst Zimmermann
2. Mann/Waller Kumpmann: Horst A. Fechner
3. Mann: Manfred Krasky
Stimme (IKG): Jochen Piel
Hotte: Jochen Groll
Kalla: Wolfgang Grönebaum
Zoltan Zehrak: Hartmut Stanke
Postreferent: Wolfgang Roter
Staatsanwalt: Claus-Dieter Clausnitzer
Vordenbäumen: Jürgen Lodemann
Siggi: Tirzah Haase


Das Kabelfieber ist ausgebrochen. Vor allem in den trutzigen Gemäuern der ehemaligen Villa Körfgen am Viehofer Platz. Der Untergrund wird beherrscht von Codes und Kürzeln: K.U.K.-P.K.K-ITKG. Rudolf Langensiepen wird nun, nach zehn Jahren, verstrickt in dieses Verkabelungswirrwarr. Ein anderer Fall hatte ihn aus der Bahn geworfen und den Polizistenjob gekostet. Er wurde zum Alkoholiker und lebt jetzt abstinent auf dem Kopstadt, dem Dach eines Kaufhauses, als Detektiv zur Überwachung des Umsatzes. An diesem Morgen aber zieht ihn die Stimme einer Rosa Bergmann hinab in den Strudel am Viehofer Platz. Ein toter Türke liegt im Kabelschacht. Die Aufklärung dieses Falles wird ihm angetragen. Bald lassen ihn Kabelfilz und illegale Leiharbeit, Halbwelt und Umwelt rotieren. Und wer ihn kennt, weiß, dass er nicht zu jenen gehört, die stur nur das eine sehen, ihre Aufgabe, nie träumen, nicht links und nicht rechts sehen, keinen Blick für diesen unaufhörlichen Wirbel und den Hack um sie herum haben, von dem „ihr“ Fall doch nur ein Fetzen ist.

Jürgen Lodemann, geboren 1936 in Essen, ist Autor und Fernsehjournalist. Er arbeitete für verschiedene Sendeanstalten und überregionale Zeitungen. 2008 wurde er zum „poet in residence“ an der Universität Duisburg-Essen ernannt. Jürgen Lodemann lebt in Freiburg und Essen.


Bemerkungen:

Langensiepen kehrt zurück. Nachdem der Fall um Anita Drögemöller sein Leben komplett auf den Kopf gestellt hat, schlittert der Ex-Kommissar nun in seinen nächsten Fall. In diesem tummeln sich allerlei Schwierigkeiten, die zusammen mit dem komplizierten Leben des Protagonisten schon allein die recht lange Spielzeit rechtfertigen. Der Krimiplot an sich ist allerdings ein wenig von der Zeit überholt, er spielt doch arg mit aus heutiger Sicher eher merkwürdigen Ängsten aus den achtziger Jahren.

Deutlich besser als der Kriminalfall selbst ist das Drumherum. Die Inszenierung bietet ein tolles Ruhrpott-Flair. Figuren mit liebenswerten Klischees, die dat Heez auffe Zunge tragen, sind hier das Hauptohrenmerk dieser Produktion. Insbesondere hat mir diesbezüglich Anja Kruse gefallen, die hier auch in den Erzählparts sehr locker und nahbar agiert. Witzigerweise thematisiert man im Hörspiel, dass sie im Dialekt schwankt und macht damit die Leistung - ob gewollt oder nicht - auf jeden Fall stimmig.

Wer regionale Krimis mit eigener Note mag, der sollte diesen langen Langensieper ruhig mal einschalten, denn zumindest in diesem Punkt bietet man hier gute Unterhaltung; der Kriminalfall an sich überzeugt leider weniger.

Meine Wertung: + +
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