Es sind Kinder

Kriminalhörspiel von Herbert Beckmann

Regie: Tobias Krebs
SWR 2009
51 Min.


Tine Schüller: Valerie Koch
Stefan Brodersen: Devid Striesow
Hanna Brodersen: Barbara Wurster
Radulescu: Stjepan Markovicz
u. a.

Bild: SWR/Monika Maier
Valerie Koch, Devid Striesow; Bild: SWR/Monika Maier


Tine und Stefan machen mit ihrem kleinen Sohn Leon Urlaub in einem »Biosphärenreservat« in Rumänien nahe der Ukraine. Die Stimmung ist gereizt: Tine hat (mal wieder) einen Versuch unternommen, Stefan dazu zu bringen, sich von seiner Ehefrau Hanna zu trennen. Stefan hat jedoch ins Feld geführt, dass Tine ein bisschen zu gern mit ihrem Freund Dirk telefoniert. In diesen Ferien geht es aber nicht nur um Beziehungschaos. Die Reibereien werden existenziell, denn der Ort ist absolut indiskutabel. Von europäischen Standards kann nicht die Rede sein. Mitten in den Urlaubsstress platzen drei neugierige Kinder. Schon bald fühlt sich Tine von ihnen bedroht. Sie spürt, dass von den dreien mehr Unheil droht, als nur die Tannenzapfen, mit denen sie das Appartment bewerfen. Als es zum Konflikt kommt, rutscht eines der Kinder aus und verletzt sich am Arm. Kurz darauf verschwindet Leon aus einem Straßencafé. Wurde er entführt, verschleppt, an einen Pornoring verkauft? Die Nachforschungen der Eltern – bei der Polizei, der deutschen Botschaft usw. – führen lediglich zu Peinlichkeiten. Zudem verschärfen sich die Spannungen, da sich Tine von Hanna in die Enge getrieben fühlt und Stefan an seiner Vaterschaft zweifelt. Und jeder Versuch, die ukrainischen Kinder zum Reden zu bringen, schlägt fehl.

Herbert Beckmann
geboren 1960 in Ahaus, lebt als Psychologe und Autor in Berlin. Er schreibt Prosa, Hörspiele sowie Texte, in denen er versucht, die willkürlich gezogene Grenze zwischen erzählender und Sachliteratur zu ignorieren. 2007 lief in SWR2 Krimi sein Hörspieldebüt "Storyboard", 2008 folgte das Kinderhörspiel "Der Zven kommt".


Bemerkungen:

Nach Herbert Beckmanns ungewöhnlichem, aber sehr hörenswerten Krimi "Storyboard", war ich natürlich gespannt, ob er dem guten Auftakt auch einen würdigen Nachfolger hinterherschicken kann.
Die Frage muss eindeutig mit "Ja" beantwortet werden!

Auch hier macht einen Gutteil der Spannung die besondere Szenerie aus. Das rumänisch-ukrainische Grenzgebiet ist ein idealer Hintergrund für eine solch spannende Geschichte, da hier einfach die gewohnte Mechanismen in bedrohlichen Situationen nicht existent sind.
Beckmann baut eine interessante und bedrohliche Kulisse auf, die das kommende Unheil schon ab der ersten Spielminute ahnen lässt. Dieses tritt dann auch mit dem Verschwinden des kleinen Leon ein. Ab diesem Zeitpunkt regiert die Hilflosigkeit und der stets vorhandene Streit zwischen Tine und Stefan ändert sein Motiv von den üblichen Eifersüchteleien hin zu Schuldvorwürfen und purer Verzweiflung.

Dies Ausweglosigkeit ist das Element, das hier für Spannung sorgt. Natürlich kann man das als einfachen oder billigen Effekt betrachten; Das Spiel mit einem Kinderschicksal ist zwar ein gängiges Mittel, aber es funktioniert.

Tobias Krebs hat diese mitreissende Geschichte sehr gut hörbar werden lassen: Stimmige Kulissen, in denen gute und authentische Sprecher agieren.

So wird letztlich das gute Skript auch zu einem guten und empfehlenswerten Hörspiel!

Meine Wertung: + + + +

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