| Extrapost von Sabine Stein Regie: Judith Lorentz NDR 2009 47 Minuten Sonia: Paula Kalenberg Elvis: Paul Herwig Frau Moormann, Möhrchen: Steffi Kühnert Bruno: Carsten Andörfer Don Schmitz: Wolfram Koch Sonjas Mutter: Meriam Abbas Gilberto: Derval de Faria Roy: Milan Peschel ![]() Paula Kalenberg als Sonia und Regisseurin Judith Lorentz Bild: NDR/Franziska Hauser Sonia arbeitet als Postbotin bei einem privaten Zusteller und träumt davon, ein Star zu sein. Das Geld, das sie für die anvisierten Talent-Castings braucht, will sie erwirtschaften. Also erweitert sie ihren Zuständigkeitsbereich. Dabei kommt sie ins Schludern, behält, zunächst versehentlich, später wissentlich, wichtige Gerichtsdokumente ein, was in der Folge ein flächendeckendes Chaos verursacht. Eine aufsehnerregende Rettungs-Aktion von Kollegen, die Sonias Versagen als politische Tat an die Medien verkaufen und Sonia als Heldin des Widerstands gegen einen menschenverachtenden Turbokapitalismus stilisieren, scheint zunächst das Blatt zu wenden. Doch hält es die Tragödie nicht wirklich auf. Sabine Stein, geboren 1961, Studium der Germanistik und Philosophie, arbeitet als Hörspiel- und Drehbuchlektorin, Dozentin und Leiterin des Schreib-Workshops für Hörspielautoren. Bemerkungen: Mit "Extrapost" beschreibt Autorin Sabine Stein einen tatsächlichen Fall, der den Beginn vom Ende vieler privater Postdienstleistungsanbieter darstellte. Sie erzählt aus Sicht der Mitarbeiterin, die immer mehr Briefe unterschlägt, um ihr Kontigent zu schaffen. Diese Tat wird als Folge der Ausbeutung umgedeutet, bekommt eine ganz eigene und unaufhaltsame Dynamik, die aus einem Einzelfall heraus, ein ganzes Spartensystem kippt. Sabine Stein wertet weniger die Tat an sich oder die Umstände, die dazu führten, sie legt den Fokus mehr auf den sich anschließenden Prozess, der schnell große Kreise zieht und auch die Dynamik des Hörspiels bestimmt. Paula Kalenberg überzeugt als verträumte und naive Postzustellerin Sonia. Sie sorgt dafür, dass die Figur geheimnisvoll bleibt . Besonders erwähnenswert aus dem gut agierenden Ensemble dahinter, sind insbesondere Paul Herwig und Wolfram Koch, die die beiden prägnanten Charaktere Elvis und Don Schmitz mit viel Leben füllen. Ein Hörspiel, das aufgrund des realen Hintergrundes besonders interessant ist und auch die Entwicklungen aus der Ursprungstat gut beschreibt. Auch wenn dabei der letzte Kniff ein wenig fehlt, eine knappe Radiostunde guter Hörspielunterhaltung wird allemal geboten. Meine Wertung: + + + |
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