Fleisch zu Fleisch

von Anne-Lou Steininger

a.d. Französischen von Andra Joeckle
Regie: Heike Tauch
Ton: Klaus Höness u. Jean Szymczak
SR 2004
75 Min.

Mit: Jürgen Holtz, Anna Magdalena Fitzi, Matthias Walter, Kathrin Angerer u.a.


Ein Schlachthof, zum Glop-Konzern gehörend, Chef ist der Philosoph Auguste Bacon. In seinem Hauptwerk findet sich der Kernsatz: „Irren ist menschlich. Wenn wir das Irren abschaffen wollen, dann müssen wir den Menschen abschaffen.“ Folgerichtig werden im Schlachthof auch keine Tiere, sondern Menschen geschlachtet. Aber nicht  irgendwelche Menschen, nein, Auguste Bacon achtet auf die Qualität der - wohlgemerkt freiwilligen - Kandidaten. Eines Tages schneit eine junge Frau herein und reklamiert Bacons Büro als ihren neuen Arbeitsplatz. Der Glop-Konzern hat das Kultusministerium übernommen und verteilt dessen Mitarbeiter auf andere „Produktions-Orte“. Als phantasievolle Kritik am Kapitalismus kann man Steiningers Hörspiel verstehen oder auch als tiefschwarze Farce auf den Perfektionswahn unserer Zeit, der Euthanasiebestrebungen im Schlepptau führt. Wie dem auch sei, aber konservierende Moralinsäure wird man bei „Fleisch zu Fleisch“ vergeblich erwarten.


Anne-Lou Steininger, 1963 im Wallis geboren, lebt in Genf. Philosophie- und Politik-Studium in Lausanne. Ihr erster Roman „La maladie d’être mouche“ (96, Prix Alpes-Jura 97) hatte auch als Theaterstück Erfolg. 1998 erhielt sie den Preis der Stiftung E. und M. Sandoz. „Le destin des viandes“ („Fleisch zu Fleisch“) wurde 2001 von der Société Genèvoise des Écrivains ausgezeichnet. Zuletzt erschien: „Les contes des jours volés“ (Prix Michel-Dentan 2006).

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