Fünf Mann Menschen

Von Ernst Jandl
Bild: SWR/Heinz Krome
Bild: SWR/Heinz Krome


Regie: Peter Michel Ladiges
SWF 1968
15 Min.

Hörspielpreis der Kriegsblinden 1969



Ansager: Günther Neutze
Stimmen 1-5: Helmut Wöstmann,
Bild: SWR/Hugo Jehle
Bild: SWR/Hugo Jehle

Jürgen Schmidt, Friedrich von Bülow, Gian Fadri Töndury, Gerhard Remus
Vater: Hans Timerding
Mutter: Ellen Xenakis
Bild: SWR/Castagne
Bild: SWR/Castagne

Berufsberater, Unteroffizier, Offizier, Richter: Heiner Schmidt
Kellnerin, Krankenschwester, Schwester I: Dinah Hinz
Schwester II-V: Christine Davis, Ute Remus, Isabel Stumpf, Renate E. Bauer


Das Hörspiel, das heute als Klassiker gilt, sorgte zur Zeit seiner Entstehung für erhebliches Aufsehen. 1969 wurde es mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden ausgezeichnet und eröffnete in seiner Nachfolge die Ära des sogenannten Neuen Hörspiels. Im Zeitrafferverfahren werden in 14 kurzen Szenen zentrale Lebensereignisse durchgespielt: von der Gebärklinik über Elternhaus, Schule, Kino, Berufsausbildung, Kneipe, Militär, Krieg, Spital, Gericht, Gefängnis, Erschießung - wieder zurück zur Gebärklinik, diesmal in der Vaterfunktion. Denn "Solange es Kinder gibt, wird es Kinder geben". Es entsteht das - ironisch simplifizierte - Modell eines an Verwaltungsapparate und inhumane Verhaltenszwänge wehrlos ausgelieferten Daseins, zugleich aber auch ein Spiel mit Worten und Hörkonventionen.


Bemerkungen:

Nachdem ich schon bei Hörspielen von Ernst Jandl kopfschüttelnd vor den Lautsprechern saß und mich fragte, was die Chöre der Kritik denn nur daran so zum Jubeln anregte, bin ich von "Fünf Mann Menschen" doch leicht positiv überrascht. Als den "Meilenstein" kann man es wohl nur im historischen Kontext und Umfeld sehen. Heute - mehr als 40 Jahre nach der Produktion - ist es zumindest immer noch ein originelles Stück, das tiefgründig und ironisch das Menschenleben als gleichförmigen Ablauf darstellt. Im Zeitraffer werden einzelne Stationen "abgearbeitet" und nach dem Tod fängt alles wieder von vorne an. Nur gerade mal 15 Minuten braucht das Stück, um 14 Lebenszenen aufzubieten.

"Fünf Mann Menschen" ist ein interessantes Hörspiel; als "Meilenstein der Hörspielgeschichte" deklariert, gehört es ja ohnehin zur Kategorie "Das muss man mal gehört haben...!". Losgelöst davon, kann ich es nur bedingt empfehlen, und zwar denjenigen Hörern, die sich auch mal gerne abseits der Standards im Hörspielbereich bewegen.

Meine Wertung: + +


 
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