Gespräche mit Lebenden und Toten

Von Swetlana Alexijewitsch

aus dem Russischen von Ingeborg Kolinko
Bearbeitung: Frank Werner
Regie: Ulrich Gerhardt
SR/NDR/SFB-ORB/WDR 1998
54 Min.




Mit Konstantin Graudus, Peter Gavajda, Ilse Strambowski und Viola Morlinghaus


Über mehrere Jahre hat die russische Autorin Swetlana Alexijewitsch mit Menschen gesprochen, für die der Super-GAU von Tschernobyl vor 25 Jahren, am 26. April 1986, zum zentralen Ereignis ihres Lebens wurde - „etwas, wofür wir noch kein System von Vorstellungen, noch keine Analogien oder Erfahrungen haben, woran unsere Augen und Ohren noch nicht gewöhnt sind, wofür nicht einmal unser bisheriger Sprachschatz, unser ganzes inneres Instrumentarium ausreicht“. Aus diesem „Nicht-Mitteilbaren“ schuf Frank Werner durch eine sensible Textauswahl und behutsame akustische Komposition ein bestürzendes Hörspiel.

Swetlana Alexijewitsch, geboren 1948 in der Ukraine, wurde 1996 für ihre Dokumentarprosa vom schwedischen PEN mit dem Kurt-Tucholsky-Preis ausgezeichnet. Mit ihren Büchern „Zinkjungen“ und „Im Banne des Todes“ wurde sie zu einer der wichtigsten Zeitzeugen des Russlands der Gegenwart.


Bemerkungen:

Über "Tschernobyl" ist alles gesagt - so meint man zumindest. Sicherlich hat man vieles in der Zeit seit 1986 über dieses Thema gehört und gelesen. Swetlana Alexjewitsch bringt in ihren "Gesprächen mit Lebenden und Toten" die Erfahrungen und Erlebnisse der unmittelbar betroffenen Bevölkerung zu Gehör. Ein erschreckender Reigen an Einzelschicksalen, der trotz aller Kenntnis der Fakten, den Hörer, ob des unfassbaren Leids schaudert.

Die einzelnen Berichte werden von den Sprechern sehr nüchtern vorgetragen. Man verzichtet hier darauf, noch große Emotionen einzustreuen, der Text wirkt in der reinen Fassung bewegend genug. Auch in der Untermalung hält man sich sehr zurück, gerade zwischen den einzelnen Texten spielt man eine kurze Geräuschsequenz ein.


Ein Hörstück, das aufgrund des Inhalts keiner großer Inszenierung bedarf. Die dargebotene diesbezüglich Zurückhaltung ist daher mehr als sinnvoll.

Meine Wertung: + + + +
 
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