| Gier nach Gold Nach dem gleichnamigen Roman von Frank Norris Aus dem amerikanischen Englisch von Paul Böllert Hörspielbearbeitung: Margareth Obexer Musik: Peter Kaizar Regie: Mark Ginzler SWR 2009 114 Minuten Erzähler: Axel Milberg McTeague: Robert Gallinowski Trina: Laura Maire Zerkow: Hans Diehl Mr. Grannis: Horst Sachtleben Maria: Barbara Philipp Markus: Nico Holonics ![]() Maria (Barbara Philipp) und McTeague (Robert Gallinowski) ![]() Trina (Laura Maire) und McTeague (Robert Gallinowski) ![]() Trina (Laura Maire) und Markus (Nico Holonics) Bilder: SWR/Monika Maier 1899 erschien mit Frank Norris' Roman "McTeague: A Story of San Francisco" ein Hauptwerk des amerikanischen Naturalismus. Er spielt in einem Unterschicht-Viertel von San Francisco und handelt vom Schicksal einfacher Leute. Im Zentrum steht McTeague, der Dentist, Sohn eines Grubenarbeiters, ein genügsamer Mensch. Schwierig wird es, als er sich in Trina verliebt, die Braut seines einzigen Freundes Marcus. Doch da hat er großes Glück, weil Marcus auf Trina verzichtet. Sie fühlt sich zuerst von der dumpfen und wuchtigen Figur McTeagues abgestoßen, doch bald kann sie sich an ihn gewöhnen, ja, sogar lieben kann sie ihn – schließlich heiraten sie und richten sich eine kleine Wohnung ein. Zusammen haben sie ein ausreichendes Einkommen und sind glücklich und zufrieden; bis Trina 5000 Dollar im Lotto gewinnt und darüber so krankhaft geizig wird, dass das Zusammenleben der Eheleute in eine Katastrophe mündet und beide schließlich in der Gosse enden. Mord und Totschlag bestimmen das Denken, bis es im Death Valley zu einem atemberaubenden Showdown kommt. Den Roman schrieb Norris im Alter von 22 Jahren. Erich von Stroheim nutzte den Stoff als Vorlage für seinen legendären Stummfilm "Greed" (1923), der als eines der wichtigsten Werke der Filmgeschichte gilt. Frank Norris, (1870-1902) geboren in Chicago, gestorben in San Francisco. Inspiriert vom französischen Naturalismus Émile Zolas studierte er von 1890 bis 1894 Literatur an der University of California, Berkeley und Literarische Komposition an der Harvard University. 1895-1896 ging er als Journalist nach Südafrika. Er schloss sich im Vorfeld des Burenkriegs den Engländern an und kam in Haft. Dort erkrankte er an tropischem Fieber und wurde des Landes verwiesen.Nach der erfolgreichen Veröffentlichung seines ersten Romans »Moran of the Lady Letty« ging er 1898 als Mitarbeiter des »McClure's Magazine« nach New York City. 1899 wurde er Kriegsberichterstatter in Kuba. Danach veröffentlichte er »Blix«, »A Man's Woman« und begann die Arbeit an seinem Hauptwerk, einer Trilogie über das uramerikanische Thema des Weizens (»The Octopus«, »The Pit«). Vor Vollendung des dritten Teils »Wolf« starb Norris. Bemerkungen: Die Geschichte von Frank Norris bringt ein Studie aus dem echten Leben. Wenig überzeichnet, wenig konstruiert und mit viel Gespür für eine glaubhafte Erzählung. Norris lässt in das einfache Leben der Protagonisten einen unerwarteten Geldregen eintreten, der Ausgangspunkt für dramatische Veränderungen ist. Plötzlich bröckelt die heile Welt und die Beschaulichkeit wandelt sich in Dramatik. Die Bearbeitung lässt der Geschichte viel Raum. Als Doppelfolge konzipiert, hat man genügend Platz für Ausführlichkeiten. Allerdings drückt das auch aufs Tempo und so wirkt insbesondere der erste Teil doch sehr behäbig und wenig zielgerichtet. Es wird dann im zweiten Teil deutlich besser, wenn die dramatischen Entwicklungen etwas mehr greifen. Die schauspielerische Umsetzung ist durchweg solide, etwas mehr Farbe hätte den Charakteren, vor allem aber dem Hörinteresse, gut getan. Auch dies funktioniert im zweiten Teil deutlich besser, als die Story die Möglichkeiten bietet, emotional etwas tiefer in die Figuren einzutauchen. So schön es ist, dass man ausreichend Spielzeit zur Verfügung hat, um einer Geschichte genüge zu tun, so schade ist es, wenn dadurch Tempo und Interesse leidet. "Gier nach Gold" bietet eine gute Vorlage für ein interessantes Hörspiel, allerdings hätte man hier etwas mehr auf den Punkt erzählen dürfen. Meine Wertung: + + |
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