Gilgamesh
von Raoul Schrott

Bearbeitung, Komposition und Regie: Klaus Buhlert
BR 2001
202 Min.




Mit Kathrin Angerer, Josef Bierbichler, Jutta Hoffmann, Felix von Manteuffel, Martin Wuttke u.a.



1. Teil: Die Stadt Uruk
2. Teil: Der Berg Libanon
3. Teil: Das Meer des Todes
4. Teil: Die Zwillingsberge von Mashu

Epos um den sumerischen König Gilgamesh und Enkidu, den behaarten Jäger und Vertrauten der Tiere. Gilgamesh ist zu zwei Dritteln Gott und zu einem Drittel Mensch. Er kämpft gegen Riesen und Ungeheuer, unter anderem gegen Humbaba, den dämonischen Hüter des Zedernwaldes im Libanon. Auch soll der sagenhafte König des Stadtstaates Uruk die 9,5 Kilometer lange Stadtmauer gebaut haben.

In den beiden letzten Teilen kämpfen Gilgamesh und Enkidu gegen einen mächtigen Stier, der sich als Verkörperung des gleichnamigen Sternbilds erweist. Nachdem sie ihn besiegt haben, wollen sie das Fleisch den Witwen schenken. Die Göttin Ishtar fordert lauthals einen Anteil, bekommt allerdings nur die Hälfte des Hinterteils. Sie ist verärgert und zornig. In der Nacht träumt Enkidu, die Götter würden ihn deswegen bestrafen. Schließlich kommt Gilgamesh an das Meer des Todes und macht sich mit dem Fährmann Enki auf den Weg in die Unterwelt.

„Schrotts Übersetzung lässt den hohen Ton der Vorlage, die eine Art Collage diverser Sagen und Überlieferungen ist, durchaus anklingen. Darüber hinaus aber integriert er Umgangssprache und Idiomatik, was der Regisseur Buhlert für seine Funkfassung aufnimmt: Dialekt und Slang, Pathos und magische Beschwörung, all dies macht sein Hörspiel zu einem vielstimmigen akustischen Ereignis.“ (Jury-Begründung zum Hörspiel des Monats Oktober 2001) Die Sage von Gilgamesh – angesiedelt im Land zwischen Euphrat und Tigris – ist nicht nur Spiegel einer frühen Zivilisation, sondern auch eine die Jahrtausende überdauernde Geschichte von den Heldentaten eines Mannes, der den Tod überwinden und das ewige Leben finden will.

Das mutmaßlich aus verschiedenen Sagen entstandene Epos ist das älteste niedergeschriebene literarische Zeugnis der Menschheit. Der größte Teil des überlieferten Textes stammt aus der großen Tontafelbibliothek des Assyrerkönigs Assurbanipal (669-627 v. Chr.). Er befindet sich heute im British Museum. Daneben gibt es noch weitere Fragmente aus dem kleinasiatischen Raum, die Varianten und neue Abenteuer beisteuern. In den letzten Jahrzehnten gelang es Forschern die meisten Lücken in mühevoller Kleinarbeit zu schließen. Raoul Schrotts Übersetzung baut auf diesen Ergebnissen auf.


Raoul Schrott, geb. 1964, Lyriker, Romancier, Hörspielautor. 2005-08 Neuübersetzung von Homers Ilias. BR-Hörspiele u.a. Hotels (1995, Hörspiel des Jahres), Die Erfindung der Poesie. Gedichte aus den ersten viertausend Jahren (1998), Tristan da Cunha oder die Hälfte der Erde (2003).


Bemerkungen

Raoul Schrott hat sich dem wohl ersten literarischen Werk der Weltgeschichte angenommen und diese in eine moderne Fassung gebracht. Klaus Buhlert führt dies in seiner Inszenierung konsequent fort. Leider folgt der guten Absicht letztlich eine Produktion, die doch sehr speziell ist und bei den meisten Hörern ohne Hintergrundwissen viele Fragen aufwerfen dürfte. Es klärt sich zwar vieles zum Ende hin, allerdings ergibt sich bei der umfangreichen Spielzeit schon eine gewisse Durststrecke, die man erstmal bewältigen muss. Die Inszenierung macht dies einem hier auch nicht gerade leicht. Sehr verworren - insbesondere durch die merkwürdige Besetzung - stellen sich die Dialoge dar. Hilfreich, wenn auch bei diesem Thema mehr als ungewöhnlich, sind die verwendeten Dialekte.

Wer also glaubt, er könne sich hier schnell und einfach mit dem Werk "Gilgamesh" vertraut machen, der bekommt hier schnell die Grenzen aufgezeigt, denn nicht nur die besondere Fassung Schrotts, sondern auch die Inszenierung Buhlerts bauen hier künstlerische Hürden auf, die zwar aus der Vorlage eine jeweils eigene - und als solche auch wertige - Fassung machen, letztlich aber den normalsterblichen Hörer vor eine ordentliche Herausforderung stellen.

Wer das Werk genießen möchte, dem lege ich die Veröffenltichung des hörverlages nahe, da diese doch ein wenig Zusatzmaterial bietet, das


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