Graf Dracula op Lüttjenoog

Singspiel von Hans Helge Ott und Rudolf Schmücker

Musik: Rudolf Schmücker
Regie: Hans Helge Ott
RB / NDR 1983
53 Min.


Erzähler: Bernd Wiegmann
Graf Dracula: Gert Haucke
Holmer Siems: Jasper Vogt
Bertha, seine Frau: Ingrid Andersen
Erwin Schröder: Uwe Friedrichsen
Jan Akkermann: Hans-Jürgen Ott
Apotheker: Rolf Nagel
Mudder Harms: Karla Schütt
u.a.

Musiker: Eckhard Bartschat, Rainer Damisch, Dieter Heinsohn, Reiner Kalning, Robert Smith, Rudolf Schmücker


Bram Stoker hat sich geirrt: Graf Dracula nahm die Nordroute nach London, weil er den im Mittelmeerraum gebräuchlichen Knoblauch hasst. Aber "quel malheur!" ? 119 Jahre nach der Abreise wird er auf der winzigen Nordseeinsel Lüttjenoog angetrieben. Die Bewohner reagieren erschrocken und gründen eine Bürgerwehr. Diese erweist sich schließlich als viel gefährlicher als ein müder, alter Vampir!


Bemerkungen:

"Graf Dracula" auf Plattdeutsch? Und das auch noch als Singspiel? Eine verwegene Idee, die aber tatsächlich gelingt. Mundarthörspiele haftet ja generell der Ruf der Volkstümelei an,  tatsächlich ist das aber weniger die Regel, denn die Ausnahme. Auch hier hat man mit einer entsprechenden Produktion nur zwei Dinge gemein: Die Sprache und der Fokus auf dem Unterhaltungswert.
Hans Helge Ott spinnt hier ein originelles Seemannsgarn, das Bram Stokers Geschichte aufgreift, ihr aber eine entscheidende Wendung gibt. Graf Drakula landet nicht an der englischen Küste, sondern auf Lüttjenoog. Ott erzählt die Geschichte mit sehr viel Witz, greift insbesondere bei den Charakteren gängige Klischees auf und sorgt für eine satirische, aber durchweg liebevolle Darstellung der Figuren.

Die meisten Rollen werden von Schauspielern übernommen, die ihren Hörspiel-Schwerpunkt bei den Mundart-Stücken haben. Es geben sich aber auch Gert Haucke und Uwe Friedrichsen die Ehre. Die schauspielerischen Leistungen sind deutlich besser, als die gesanglichen - was aber dem Unterhaltungswert keinen Abbruch tut, im Gegenteil, das ganze Stück gewinnt an Leichtigkeit.
Die Musik an sich ist allerdings auch ein wenig gewöhnungsbedürftig. Sie ist natürlich sehr auf den Transport des Textes bedacht und lässt daher ein wenig den Ohrwurmfaktor außen vor - Dennoch für ein Singspiel ist das perfekt.


Ein Hörspiel, das mich richtig gut unterhalten hat. Eine originelle Geschichte, in einer gelungenen, leichtgängigen Umsetzung. Wer sich vom (durchaus gemäßigtem) Plattdeutsch nicht abschrecken lässt, darf hier gerne reinhören.


Meine Wertung: + + + +






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