| Heul doch! Von Melanie Arns Hörspielbearbeitung: Sabine Bohnen Regie: Katrin Moll DLR 2008 55 Min. Mit Mira Partecke, Thomas Thieme, Franziska Troegner, Lotti Krekel u.a. ![]() Thomas Thieme (Vater) ![]() Mira Partecke (Sie), Katrin Moll, Lotti Krekel (Oma) Bilder: SWR/Deutschlandradio/Sandro Most "Ich male mir schwarze Ränder unter die Augen. Ich sehe jetzt auch schlecht aus, ich sehe jetzt aus, als hätte ich nächtelang nicht geschlafen, als hätte ich Angstträume, als müsste man mich in ein Krankenhaus einliefern, wiederbeleben, als müsste man sich Sorgen machen, mich in den Arm nehmen. Mein Lehrer sagt, das ich schlecht aussehe." Der Bruder ist tot, die Eltern trinken, Oma jammert. Und die Psychotherapenutin glaubt kein Wort. Das Leben als Unfall. "Heul doch!" erzählt mit brutaler Komik von einem Mädchen, das zwischen Abgründen tanzt, um nicht abzustürzen. Melanie Arns, geboren 1980 in Kleve am Niederrhein, brach eine kaufmännische Lehre ab, studierte 2001-2005 am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Ihr Romandebüt "Heul doch!" (2004) wurde 2007 auch als Theaterstück uraufgeführt. 2006 erschien ihr zweiter Roman "Traumpaar, nackt". Bemerkungen: Sie sagt, sie lüge oft. Doch je länger die Hauptfigur von ihrem Leben erzählt, desto mehr wird deutlich, dass viel von ihrer Art dem Schutz vor der grausamen Wahrheit dient. Sie ist Gefangene einer kaputten Familie, in der Mißbrauch, Sucht und ein nicht verarbeiteter Tod des Sohnes bzw. Bruders die tragischen Elemente des Scheiterns bilden. Die Geschichte braucht ein paar Minuten, dann fesselt sie den Hörer - allerdings lässt diese Bindung gegen Ende etwas nach, da hier kaum noch neue Aspekte nachrücken. Mira Partecke leiht der Hauptfigur ihre Stimme. Sie erzählt in der Figur recht glaubhaft. Mira Partecke gelingt es, alle emotionalen Höhen und Tiefen der Figur mitzugehen und sowohl den bissigen Humor, als auch die tiefe Verzweiflung und Ausweglosigkeit gut zu vermitteln. Das Ensemble um sie herum ist gut besetzt, die Sprecher kommen allerdings kaum ins Spielen, da hier nur wenige echte Dialoge entstehen. Obwohl die Geschichte und deren Umsetzung den Hörer gut mitnehmen kann, fehlt der letzte Funke, der dieses Hörspiel zu einer zwingenden Empfehlung macht. Meine Wertung: + + + |
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