| Hitler lebt
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Autor: |
Günter Kunert |
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Produktion: |
NDR 1987 |
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Regie: |
Hans Rosenhauer |
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Länge: |
59 Min. |
Mitwirkende: |
Dinkeldey, Rundfunkreporter - Burghart Klaußner
Prof. Snellack, Direktor - Manfred Steffen
Dr. Krose - Ernst-Erich Buder
Erwin, Pfleger - Douglas Welbat
Büsing, Chefredakteur - Ulrich Matschoß
1. Patient - Peter Heinrich
2. Patient - Gerd Samariter
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Inhalt: |
Es klingt verrückt, ja, wie die Zwangsvorstellung
eines Schizophrenen, was Reporter Dinkeldey von dem ehemaligen Arzt
einer psychiatrischen Klinik erfährt: Hitler, so behauptet jener,
sei noch am Leben. Er habe sich nach Kriegsende gerade in diese
psychiatrische Anstalt retten können und sei später sogar als
geheilt entlassen worden. Einziger Schönheitsfehler dieser
sensationellen Mitteilung: der Informant des Reporters ist - inzwischen
selber als schizophren eingestuft - vom Arzt zum Patienten degradiert
worden. Er ist davon überzeugt, dass man ihn als letzten Zeugen,
der Hitler noch lebend gesehen habe, unschädlich machen wolle.
Dinkeldey, der seinen Aussagen Glauben schenkt, verlangt vom Leiter der
„Anstalt zur Rehabilitation mental Erkrankter“
rückhaltlose Aufklärung. Prof. Snellack, der sich besonders
fortschrittlicher Behandlungsmethoden zu bedienen scheint, zeigt sich
jovial und auskunftsfreudig. Natürlich habe es in der Klinik den
Fall eines Patienten mit einer Hitlerneurose gegeben. Doch warum
avanciert auch Dinkeldey am Ende mit einem gebrochenen Arm zu einem
Patienten der Anstalt? Handelt es sich, wie Prof. Snellack
erklärt, um den klassischen Fall von Verfolgungswahn? Habe
Dinkeldey, so befragt der Professor dessen eilends herbeigerufenen Chef
von der Zeitfunkredaktion, nicht von jeher einen Hang gehabt,
„geradezu im längst verwesten Gestern zu wühlen?“
In seinem neuesten Hörspiel gibt der Autor Günter Kunert eine
hintergründig verschlüsselte Deutung des aktuellen Trends zum
geschichtlichen Kurzzeitgedächtnis.
Günter Kunert, geboren 6. März 1929 in Berlin,
veröffentlichte neben zahlreichen Gedicht-, Prosa- und
Essaybänden sowie der Autobiografie
„Erwachsenenspiele“ seit den 70er-Jahren ein reichliches
Dutzend Hörspiele. Beim MDR u.a. „Ostragon und
Wessimir“ (MDR/ORB 1993), „Fantasien über das
Verbrechen“ (MDR 1994) und „Am Sexophon: Esmeralda“
(MDR 2001), „Die Puppe“ (MDR 2004), „Keine weiteren
Vorkommnisse“ (MDR 2008).
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Bemerkungen:
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Günter Kunert spielt hier mit der Idee, dass
Hitler den Krieg überlebt haben könnte. Dabei bringt er in
einem unterhaltsamen Verwirrspiel diese These so unter, dass der
Hörer immer schön im Dunkeln darüber gelassen wird, ob
die Annahme im Kontext der Geschichte tatsächlich stimmt.
Der Hörer braucht allerdings einen etwas langen Atem, denn das
Tempo dieser Produktion ist nicht sonderlich hoch, und hin und wieder
verliert man sich etwas in den Dialogen.
Andererseits sorgen die exzellenten Sprecher dafür, dass viel des
Hörinteresses aus dem gelungenen Zusammenspiel der Figuren
resultiert. Insbesondere Manfred Steffen glänzt in seiner Rolle
als zwielichtiger Klinikleiter.
Ein durchaus interessantes Hörspiel, das dem Hörer allerdings
hier und da ein wenig die Zeit lange macht. Entschädigt wird man
dafür aber mit einem großartig agierenden Ensemble.
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