Arno Schmidt

Holunderblüte

Ein möglicher Arno-Schmidt-Monolog von Jan Philipp Reemtsma
Regie: Christiane Ohaus
RB/SR 2008
ca. 60’

„…Was ist der Mensch? El hombre es un cigarro – am Ende bloß noch’n ausgekatschter ekler Stumpm, und etwas Asche. –Was is das Lebm?! Die Auflehnung der Eiweiße gegen die Silicate. Der Geist? – Eine kleine Weile habe ich mir die Welt besehen – es wird mir immer wahrscheinlicher, daß ‘Geist’ nicht viel mehr sei als, sagen wir, Holunderblüten.“ – So endet dieser mögliche Arno-Schmidt-Monolog, den der Bargfelder Dichter und Schriftsteller in vorliegender Form so nie geschrieben hat. Jan Philipp Reetmsma, Gründer der Arno-Schmidt-Stiftung und Herausgeber des Gesamtwerkes von Arno Schmidt, hat das Schmidtsche poetische Terrain mit großer Lesefreude erneut vermessen und den Text kompiliert zu ‚Holunderblüte’. Dabei wird deutlich: Arno Schmidts Texte und Schriften sind voll Witz und Komik – ob Politik, Poetik, Sexualität, Alltägliches. Sie setzen eine Unzahl von Assoziationen frei, ermöglichen überraschende Perspektiven, machen verborgene Zusammenhänge sichtbar, sind lustvolles Spiel mit Wortlaut, besitzen große Bedeutungsvielfalt.

‚Holunderblüte’ ist eine Einladung, den Ausnahme-Autor Arno Schmidt neu zu erkunden.

Arno Schmidt (1914-79), deutscher Publizist, Essayist und Autor. Abitur, Studienversuch, Arbeit als kaufmännischer Angestellter, Zwangssoldat, englische Gefangenschaft, Dolmetscher. Lebte ab 1946 als freier Schriftsteller und Übersetzer (aus dem Englischen) in der Lüneburger Heide, dem Saarland und in Hessen, ab 1958 zog Schmidt sich zurück nach Bargfeld (bei Celle). Schrieb Romane, Erzählungen, Radioessays und sein Hauptwerk „Zettels Traum“. Einige seiner Texte wurden auch fürs Hörspiel bearbeitet, zuletzt „Die Gelehrtenrepublik“ (BR 03) und „Lilienthal 1801 oder Die Astronomen – Fragmente eines nicht geschriebenen Romans“ (BV/RB 01)