Huckleberry Finns Abenteuer
Hörspiel in 2 Teilen von Mark Twain


Übersetzung aus dem Amerikanischen: Sybil Gräfin Schönfeldt
Komposition: Hank Shizzoe
Bearbeitung und Regie: Robert Schoen
SWR 2002
100 Min.




Huckleberry Finn: Marc Hosemann
Tom Sawyer: Denis Moschitto
Hucks Vater: Thomas Piper
Jim: Calvin Burke
Fährmann: Gerlach Fiedler
Turner: Ernst Konarek
Herzog: Martin Semmelrogge
König: Michael Habeck
Yolk: Gottfried Breitfuß
Mary Jane: Isabella Archan
Onkel Silas: Heinrich Giskes
Tante Sally: Hille Darjes
Mrs. Loftus: Christine Davis
Tommy: Patrick Heppt
Ben: Karl Friedrich Seraphim
Joe: Christian Brey
Turner: Ernst Konarek
Prediger: Andreas Klaue
Gerd Andresen, Hubertus Gertzen, Joachim Hall, Michael Holz, Sibylle Dinse, Andrea Hörnke-Trieß

Bild: SWR/Alexander Kluge
vlnr: Marc Hosemann, Isabella Archan und Michael Habeck; Bild: SWR/Alexander Kluge

Bild: SWR/Alexander Kluge
vlnr.: Tommi Piper, Regisseur Robert Schoen und Marc Hosemann; Bild: SWR/Alexander Kluge
»Nette Menschen können einem echt eine Last sein. Ich meine, es war wirklich nett von der Witwe Douglas, dass sie mich bei sich aufgenommen hat. Aber dass die Witwe aus mir nen sifilisierten Menschen hat machen wollen mit scheußlich regelmäßigen Mahlzeiten, Zähne putzen und anständig sein und dauernd im Haus wohnen: das ist ein schweres Leben.«
Kaum ist Huckleberry Finn den »sifilisatorischen« Maßnahmen der Witwe Douglas entkommen, da taucht sein versoffener Vater auf und traktiert ihn mit Besäufnissen und Prügeln. Und schließlich kehrt er allen, die ihn drangsalieren, den Rücken, flieht mit dem Negersklaven Jim auf einem Floß den Mississippi hinunter. Huck ist kein großer Denker, aber er spürt instinktiv die Knoten, die die Erziehung in uns verursacht. Er sieht die Verbiegungen, die sich die Menschen antun, um gesellschaftlich anerkannt zu sein. Also flieht er zurück zur Natur, in ein Leben ohne Zeitplan, auf dem gleichmäßig dahinströmenden Fluß.
Das Leben ist leicht, solange man auf einer Flussinsel liegt, Fische grillt, Pfeife raucht und sich Geschichten erzählt. Aber überall lauern Gefahren. Jim ist schließlich seiner Herrin entlaufen und Huck ist untergetaucht, indem er den Leuten seine eigene Ermordung vorgespielt hat. Beide sind auf der Flucht, und auf dem Fluss ist allerhand böses Volk unterwegs. Das Idyll hat ein Ende, als sie in die Hände zweier Hochstapler geraten, die sich des Flosses bemächtigen und von dort aus ihre Betrügereien an Land organisieren. Sie machen mit der Dummheit und Eitelkeit der Leute ein kleines Vermögen. Als sie sich jedoch als Erben des gerade verstorbenen Peter Wilks ausgeben, haben sie den Bogen überspannt.


Bemerkungen:

Der Geschichte um Huckleberry Finn dürfte den meisten Hörern schon in irgendeiner Form begegnet sein. Selbst Hörspielfassungen gibt es hiervon einige. Der SWR hat sich dennoch im Jahr 2002 daranbegeben, das Thema nochmal neu zu inszenieren. Das Ergebnis kann sich hören lassen!

Robert Schoen hat die Vorlage sehr straff zusammengefasst. Er erzählt sie in gerade mal 100 Spielminuten. Dennoch hat man nie den Eindruck, dass man durch die Geschichte gehetzt wird oder auf wesentliche Teile verzichten müsste. Das Tempo ist recht hoch, langweilige Passagen gibt es, dank der dicht gefassten Abenteuerepisoden, hier nie.

Marc Hosemann übernimmt hier den Part des Huck Finn, der sowohl als handelnde Figur, aber auch als Erzähler auftritt. Er trägt beide Parts sehr gut und spielt sie mit viel Natürlichkeit. Dahinter gibt es viele tolle und prägnante Stimmen, wie Gerlach Fiedler, Martin Semmelrogge oder Michael Habig, die Geschichte zusätzlich beleben.

Auch die sonstige Umsetzung überzeugt. Hank Shizzoe steuert hier Stücke bei, die sowohl musikalisch als auch textlich prima in die Geschichte passen und eine tolle Atmosphäre schaffen. Man fühlt sich hier sofort in die Handlungszeit hineingezogen und bekommt gleich die richtigen Bilder in den Kopf.


Eine Produktion, an der es nichts auszusetzen gibt. Eine tolle Geschichte, spannend und im richtigen Tempo erzählt, gut besetzt und sehr stimmig inszeniert. Meines Erachtens die beste Vertonung des Stoffes bislang.

 
Meine Wertung: + + + + +
 

Zur Startseite