Hush little Baby
  Autor: Ulrike Almut Sandig
  Produktion: SWR 2008
  Regie: Robert Schoen
  Musik: Peter Kaizar
  Länge: 57 Min.

Inhalt:

„Dieses Fiepen, dieses, warum machst du das denn, und dann auch noch unter der Brücke wie ein Penner, wie ein Kranker, das ist doch ...“ Eigentlich ist Kai Arno Einzelkind, nur eben kein „normales“. Er ist irgendwie anders, denn er ist Kai und er ist Arno, sein ungeborener Zwilling. Wie er es fertig bringt, mit beiden Händen sauber zu schreiben, vermag sich niemand zu erklären. Die Mutter zeigt wenig Verständnis für die Andersartigkeit des Kindes, der Vater ist überfordert. Seine Mitschüler hänseln „Hirni Kai“, weil er unverständliche Selbstgespräche führt. Als Kai Arno älter ist, setzt er sich den Discman auf und verlässt das Schulgelände. Unter der Fußgängerbrücke findet er einen Platz, wo ihn niemand stört. Im Lärm der Schnellstraße beginnt Kai Arno Billy Holidays „God bless the child“ zu singen, und da entdeckt er plötzlich seine zwei Stimmen. Die eine kennt er, sie ist weich und tief. Die andere kennt er nicht, sie ist hoch. Kai Arno begreift, dass er noch nie alleine war.

Ulrike Almut Sandig
geboren 1979 in Großenhain/Sachsen, ist Mitgründerin von „augenpost“, einem Lyrikprojekt, für das sie bis 2005 Gedichte in die Straßen geklebt und bis 2007 Gedichte für Gratispostkarten geschrieben hat. Nach Studien- und Arbeitsaufenthalten in Frankreich und Indien, einem Magisterabschluss in Religionswissenschaft und Indologie begann sie 2004 ein Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Nach ihrem Lyrikdebüt „Zunder“ wurde sie 2006 mit dem Lyrikpreis Meran und dem Hertha-König-Förderpreis ausgezeichnet. 2007 schrieb sie in Ahrenshoop und in Sydney (Australien) an ihrem zweiten Gedichtband, „Streumen“. Seit Herbst 2007 ist sie Redakteurin der Literaturzeitschrift EDIT.

Bemerkungen:

Die Geschichte um Kai Arno, der seinen ungeborenen Zwilling lange unbewußt in sich trägt, ist einem vom Plot her vielleicht schon mal begnet, Ulrike Almut Sandig versteht es allerdings diesem eine besondere Note zu geben, die das Stück interessant macht.
Die Umsetzung wird sicherlich nicht jeden begeistern, auch für meinen Geschmack hätte man auf eine etwas geradere Erzählstruktur ausweichen können. Vermutlich wollte man hier aber dem literarischen Anspruch des Stückes gerecht werden, und so gibt es dann doch die eine oder andere Stelle, die dem Hörer nur schwer ins Ohr gehen wird.
Ein bisschen geht der Geschichte am Ende die Luft aus, so dass der Hörer etwas ratlos zurückbleibt. Das ist bei diesem Thema allerdings mehr Absicht, denn Unvermögen.

Ein modernes, etwas schwer verdauliches Stück, das zwar nicht den breiten Geschmack treffen wird, aber durchaus ein interessantes Hörerlebnis bereiten kann.
meine Wertung: + +
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