| Ich will nicht leise sterben Von Martin Stephan Regie: Joachim Staritz Komponist: Reiner Bredemeyer Rundfunk der DDR 1976 49 Min. Klara: Agnes Kraus Erich: Gerd Grasse Ausrufer: Gerhard Geier Anita: Margit Bendokat Wullstein: Jürgen Holtz Peter: Winfried Glatzeder Rocker: Horst Hamann u.a. Klara, die seit 50 Jahren Hilfsarbeiterin in einem Rotationsbetrieb ist, hatte einen Schwächeanfall. Grund genug, einmal das bisherige Leben unter die Lupe zu nehmen und zu rekapitulieren. Die schwere Arbeit, ihr Liebesleben und die Erziehung der unehelichen Kinder, die allein auf ihr lastete, alles zieht an ihr vorüber. Aber lieber will sie ihr Leben im Lärm des Maschinensaals und unter den Kollegen als in der einsamen, nach dem Auszug der Kinder verwaisten Wohnung beschließen. Agnes Kraus, (1911-1995), deren Laufbahn am Preußischen Staatstheater Berlin begann und die nach dem Krieg gemeinsam mit ihrer Schwester ein eigenes Puppentheater gründete, fiel am Theater in Potsdam Bertolt Brecht auf, der sie 1951 zum Berliner Ensemble holte. Ihre große Popularität erlangte sie allerdings erst ab Ende der 1960er-Jahre. In zahlreichen DDR-Fernsehfilmen, Komödien, Lustspielen und Schwänken, unvergessen als Gemeindeschwester „Agnes“ oder Tierarztgattin „Alma“, gestaltete sie mit ihrer gutmütig-resoluten, schrulligen Art, gepaart mit dem unnachahmlich quengeligen, lamentierenden Tonfall das „Berliner Original mit Herz und Schnauze“. Bemerkungen: Die Geschichte einer Arbeiterin, die ihr Leben nur am Rande gelebt hat. Alles, was sie hat, ist ihre Arbeit, daneben gibt es nicht viel, und wenn doch, dann ist es zerrüttet. Einige gescheiterte Beziehungen, uneheliche Kinder, die zudem schon das Haus verlassen haben - Klara ist einsam, hat nur noch ihre Kollegen. Aber auch die stecken sie langsam zum alten Eisen. Tatsächlich haucht sie langsam ihr Leben in der Druckerei aus. Ihre Pausen werden länger, sie selbst immer anfälliger - alle merken es, auch Klara selbst, wenngleich sie es nicht wahrhaben will. Irgendwann muss sie aber erkennen, dass ihre Zeit bald kommt und sie plant ihren Abschied - nicht leise, sondern inmitten des Ratterns der Druckmaschinen. Eine bewegende und anrührende Geschichte, die aber durch die spröden Charaktere etwas sperrig wirkt. Der raue Ton macht die Figuren zwar authentisch, schafft aber auch ein wenig Distanz. Agnes Kraus glänzt hier mit einer sehr gelungenen Performance der schrulligen Klara. Die vielen Facetten, die hier zu Tage tregen, spielt sie glaubwürdig und schafft so insgesamt eine sehr greifbare Figur. Ebenfalls sehr gelungen ist die Verkörperung des Erich durch Gerhard Geier. "Ich will nicht leise sterben" ist ein Hörspiel, das im Ohr bleibt. Getragen vom typischen Charme einer Produktion des Rundfunks der DDR, die sich auch hier insbesondere durch tolle schauspielerische Leistungen auszeichnet. Meine Wertung: + + + |
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