Illegal
Autor: Polle Wilbert
Produktion: BR in Zusammenarbeit mit den Münchner Kammerspielen 2008
Realisation:
Peter Kastenmüller / Michael Graessner / Björn Bicker
Musik: Kamerakino
Dauer: 55  Min

Mitwirkende:

Hilke Altefrohne, Tabea Bettin, René Dumont, Peter Fricke, Bernd Moss und Thomas Schmauser

Inhalt:

Geh nach der Arbeit sofort nach Hause. Geh in der Dunkelheit nicht mehr auf die Straße. Sei in der Wohnung so ruhig wie möglich. Beschwere dich nicht über laute Nachbarn. Meide den Hauptbahnhof mit seinen Zivilstreifen. Geh nicht bei Rot über die Straße. Fahre nie schwarz. Halte im Kaufhaus immer alle Quittungen bereit. Öffne nie die Tür, wenn es überraschend klingelt. Melde dich am Handy nie mit Namen. Zahle immer Cash. Gib nie deine Adresse an. Lass dich in der Öffentlichkeit nicht auf Streit oder Auseinandersetzungen ein. Gibt dir jemand zu wenig Geld heraus, schluck es und mach kein Aufhebens.

So lauten ein paar Regeln, die man einhalten muss, wenn man eigentlich nicht dort sein darf, wo man lebt. Das Hörspiel nimmt die Spur illegalisierter Menschen auf, die sich im Alltag zumeist tadellos verhalten, damit sie nicht erkannt und abgeschoben werden. Sie machen sich unsichtbar. 40.000 bis 50.000 von ihnen leben ohne staatliche Erlaubnis allein in München. Eigentlich dürfte es sie gar nicht geben. Was sie aus der ganzen Welt zu uns führt, ist die Unmöglichkeit aus ökonomischen wie politischen Gründen, im Heimatland länger ein menschenwürdiges Leben zu führen. Sichtbar werden diese Menschen als Arbeitskräfte in der Gastronomie, in privaten Haushalten als Pflege- und Haushaltshilfen und als Sexarbeiterinnen. Illegalisierte Menschen und ihre Familien müssen ihren Alltag organisieren. Sie brauchen Arbeit, Wohnungen und ärztliche Versorgung. Ihre Kinder besuchen Schulen, haben Freunde. Dies alles muss im Verborgenen geschehen. Die Angst, jederzeit entdeckt und damit abgeschoben zu werden, bestimmt das Leben. Es handelt sich bei diesen Menschen und ihren Unterstützern um freie und kaum berechenbare Agenten heutiger, weltweiter Migrationsbewegungen. Sie wenden ein hohes Maß an Geld, Zeit, kreativer Energie und zähem Durchhaltevermögen auf, um hier ihren Traum vom besseren Leben verwirklichen zu können.


Das Hörspiel "Illegal" entsteht parallel zu einem gleichnamigen Theaterprojekt, das im Juni 2008 im Schauspielhaus der Münchner Kammerspiele Premiere hat.


Polle Wilbert, eigentl. Björn Bicker, geb. 1972, Dramatiker und Dramaturg. Studium in Tübingen und Wien, seit 2001 Dramaturg an den Münchner Kammerspielen. 2004 bis 2006 gemeinsam mit Peter Kastenmüller und Michael Graessner künstlerische Leitung des Stadtprojekts "BUNNYHILL". Autor mehrerer Theaterstücke, u.a. "Maries Fest" (2004), "Am Tag der jungen Talente" (2005), "Mein Teppich ist mein Orient" (2007).

Bemerkungen:
In "Illegal" lässt Polle Wilbert Menschen zu Wort kommen, die illegal hier in Deutschland leben. Dabei werden einzelne Schicksale zum Teil umfassend geschildert, andere bekommen nur durch einen plakativen Satz Gehör. Letztlich ergibt sich daraus ein Bild, das nur einen Auschschnitt bieten kann.

Hier stellt sich zudem die Frage nach der Glaubwürdigkeit und der Subjektivität. Natürlich sind solche Schilderungen immer vom eigenen Standpunkt geprägt. Hinzu kommt, dass hier keine Originaltöne zum Einsatz kommen, sondern die Aussagen von Schauspielern (nach)gesprochen werden. Ob das, was letztlich übrig bleibt, für einen objektiven Eindruck reicht, muss jeder Hörer für sich selbst entscheiden.

Etwas seltsam mutet die Darstellungsform an. Die Textsequenzen werden mit Musikstücken unterbrochen, die in diesem ernsten Kontext etwas deplatziert wirken. Sie versprühen einen sehr amateurhaften Charme und passen vielleicht textlich, aber selten musikalisch ins Bild.


Insgesamt zieht diese Produktion nicht wirklich den Hörer in den Bann. Wer genug Interesse am Thema mitbringt, für den weiß das Hörspiel sicherlich kaum etwas Neues zu erzählen. Andere werden sich an der spröden Darstellungsform etwas reiben, so dass man eine Zielgruppe, denen man diese Produktion empfehlen könnte, nur sehr schwer ausmachen kann.

 

Meine Wertung: -

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