Im Wald da sind die Räuber - Radio Mystery Soap
  Autor: Ulrich Bassenge
  Produktion: DRS 2009
Regie: Johannes Mayer
Musik: Ulrich Bassenge, Fredy Studer und Georg Kager
  Länge: 46 Min.

Mitwirkende:

Donald Arthur, Raphael Clamer, Barbara Falter, Chris Pichler, Lars Rudolph, Roger Behrens, Torsten Michaelsen, Leoni Bassenge

Inhalt:

Je tiefer der Wald, desto schauriger die Geschichten. Und das Radio ist live dabei: Wir hören Räuberhauptmann Rinaldo Rinaldini aus seinem Erdloch heraus sinnlose Schlachtbefehle krächzen, erleben Ladykiller Black Jack Davey bei der Arbeit und lernen, wie man seinen besten Räuberkollegen meuchlings entsorgt. Inzwischen duelliert sich Jesse James mit den Lehmann Brothers und verrät der schwarze Jonas, jener berüchtigte Kapuziner und Menschenfresser, seine Lieblingsrezepte. Wenn dann endlich alle Gesetzlosen am Galgen baumeln, gehen die Räuberbräute zusammen einen Kaffee trinken.

Die Geschichtsschreibung des Räuberwesens ist wildgewordene Folklore, eine vielfältige und ausufernde Ansammlung von Sagen, Legenden, Gerüchten und Erzählungen. Ulrich Bassenge reitet seine Hörspiel-Kolportage vom Wilden Westen in den Wald der deutschen Romantik und verpasst beim Pferdewechsel Schiller einen Streifschuss. Märchen- und Balladengestalten treffen auf die ursprüngliche Akkumulation, die Mutter allen Raubes; und eine Bande von Philosophen trifft sich im Übertragungswagen. Hier wird ausbaldowert, ob Räuber nun Banken überfallen oder welche gründen.


Bemerkungen:

Ulrich Bassenge hat schon mehrfach gezeigt, dass er sein Handwerk versteht. Auch bei "Im Wald da sind die Räuber" liefert er wieder eine technisch hochklassige Produktion. Problem hier ist, dass der Inhalt nur wenig zu begeistern vermag. Die Idee, Räuber aller Couleur, von der fiktiven bis zur realen Figur, vom verkannten Helden bis zum verdammenswertesten Schurken in einem Hörspiel zu vereinen, sie miteinander darzustellen und auch einen kritischen Blick auf die Definition des Begriffs zu werfen, ist grundsätzlich interessant. Sie funktioniert allerdings nur bedingt, da dies hier meines Erachtens das Medium Hörspiel etwas überfordert. Das Thema sprengt den Rahmen, so dass der Rote Faden nicht wirklich zu erkennen ist.

Über alle Zweifel erhaben ist die Inszenierung. Hier gelingen Bassenge sehr anschauliche Kulissen und Atmosphären, die auf das jeweilige Detailthema abgestimmt sind. Getragen wird das Hörspiel von einem solide agierenden Ensemble, in dem insbesondere Donald Arthur als Erzähler für eine interessante Farbe sorgt.


"Im Wald da sind die Räuber" konnte mich leider nur aufgrund der Darstellung überzeugen, inhaltlich ist dieses Hörspiel zu überfrachtet, zu unstrukturiert, um den - zugegeben hohen - Erwartungen an eine Produktion von Ulrich Bassenge, gerecht zu werden.


meine Wertung: + / -
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