In geheimer Mission
Autor: Diverse
Produktion: DAV 2009
Dauer: 260 Min.


Inhalt:

Agenten, Spione und Verräter

Ein Spion traut niemandem. Er ist mutig, intelligent und in ständiger Gefahr. Nicht erst seit dem Kalten Krieg ranken sich unzählige Mythen und Legenden um die Agenten der westlichen und östlichen Geheimdienste.

In dieser Box sind sie alle versammelt: die legendäre Mata Hari, der linientreue KGB-Offizier und der enttarnte Spion, der für seinen Dienstherren nutzlos geworden ist. Hochklassige Hörspiele der berühmtesten Autoren des Genres von John Le Carré bis Robert Littell.

Fünf Stunden Nervenkitzel aus der Welt der Spionage. Die Hörspiele:
John Le Carré- Endstation
Robert Littell - Moskau, mon amour
Russell Graves - Es war einmal ein Spion
Helmuth M. Backhaus - Der Fall Mata Hari
 
Endstation
nach John Le Carré

Bearbeitung: Hans Bräunlich
Regie: Irene Schuck
DLR 1997
48 Min.


Paul Bàgley: Matthias Haase
George Frayne: Dieter Ranspach


Zwei Männer sitzen im Zug, im Nachtexpress von Edinburgh nach London. Sie sind allein im Abteil, sitzen sich gegenüber, misstrauen sich, belauern sich gegenseitig, fragen sich aus. Wer sind sie, was geben sie preis, was wissen sie voneinander, was für ein Spiel spielen sie? Miteinander oder gegeneinander? Ein psychologisches Kammerspiel in der bedrohlichen Doppelwelt von Agenten.


John Le Carré kam am 19. Oktober 1931 als David John Moore Cornwell in Dorset, England, zur Welt. Er studierte Germanistik und Neue Sprachen an der Universität Bern und am Lincoln College Oxford, unterrichtete eine Weile am Eton College, arbeitete für das Außenministerium und war für den britischen Geheimdienst als Secret Service Agent tätig, bevor er Schriftsteller wurde.

Thema seiner Romane war bis in die achtziger Jahre der Ost-West-Gegensatz und der Kalte Krieg. Sie zeichnen sich durch differenzierte psychologische Zeichnung der handelnden Figuren aus und sind akribisch recherchiert. Le Carré brach mit der herkömmlichen Schwarz-Weiß-Sichtweise. Der Westen greift im Kampf gegen den Kommunismus zu den Methoden des Ostens und verrät so die Ideale, für die er kämpft.

Meine Wertung: + + +


 

Moskau, mon Amour
nach Robert Litell

Bearbeitung: Franz Maria Sonner
Regie: Barbara Plensat
Musik: Rubaschkin/Puschkin
BR 1994
105 Min.


Aida: Christiane Bachschmidt
Ben: Günther Maria Halmer
Vadim: Gottfried John
Oberst Prosenko: Edwin Marian
Macy: Sophie Rois
Custer: Thomas Holtzmann
Harkenrider: Juliane Köhler
Krostin: Dirk Galuba
General: Leo Bardischewski
Senkewitsch: Ralf Wolter
Katharina: Ulrike Kriener
Redakteur: Hans-Günter Martens
Sängerin: Gabriele Brüsch
Klavierbegleiter: Hartmut Brusch
Marlowe: Michael Habeck
Henry: Helmut Stange
erste Frau: Martina Boette-Sonner
zweite Frau: Käte Jaenicke
Mann: Detlef Kügow
Saawa: Julian Sonner
Apothekerin: Christiane Blumhoff
Junge Frau: Uta Kienemann
u.a.


Glasnost und Perestroika setzen sich durch und haben scheinbar den Kalten Krieg beendet. Dennoch initiierte der US-Geheimdienstgruppe eine Verschwörung, um dem drohenden Verlust des notwendigen Feindbildes vorzubauen. Unter dem Decknamen »Operation Ironweed« wird eine Verschwörung durch das Pentagon 1986 vorbereitet. Sie erweist sich als so gefährlich, daß das labile Gleichgewicht der Großmächte von neuem gefährdet wird, da auch das Moskauer Politbüro nicht untätig ist. CIA und KGB belauern und belauschen sich gegenseitig und haben bald genug Material für ein skrupelloses Erpresserspiel an der Hand. Der US-Agent Ben Bassett wird nach Moskau geschickt. Er soll die »Operation Ironweed« durchführen. Ben tut, was er nie hätte tun dürfen: Er verliebt sich in die russische Dichterin Sinaida Iwanowna Sawaskaja. Der KGB jedoch ist wachsam. Er nimmt Ben als Zielperson auf seine Liste. So gelingt den Russen eine Videoaufzeichnung von intimen Stunden des Liebespaares in einem Hotel. Mit diesem Material sollen die beiden gefügig gemacht werden. Der Schlagabtausch der Geheimdienste beginnt und mit ihm ein Verwirrspiel. Es wird immer schwieriger auszumachen, wer in wessen Auftrag und mit welchen Absichten handelt.

Ein Thriller, der für die zweiteilige Hörspielfassung mit dokumentarischen Mitteln ausgestattet und vor dem Hintergrund des Gorbatschow-Putsches neu interpretiert wurde.

Die literarische Vorlage zu diesem zweiteiligen Hörspiel um höchst geheime Agenten und undurchschaubare Mächte hat ein Kenner des Milieus verfaßt: Robert Littell, geboren 1935, war von 1965 bis 1970 Auslandskorrespondent der »Newsweek« und hat seitdem zehn Spionage- und Politthriller veröffentlicht. In »Moskau, mon amour« entwirft er ein bei aller satirischen Überspitzung durchaus denkbares politisches Szenario, das den Putsch gegen Gorbatschow im August 1991 in ein ganz neues Licht rückt. In der mit O-Tönen aus Reportagen der Ost- wie Westmedien angereicherten Hörspielfassung gewinnt Littells Fiktion zusätzliche Glaubwürdigkeit.

Meine Wertung: + +
 

Es war einmal ein Spion
nach Russel Graves

Bearbeitung: Konrad Zobel
Regie: Harald Krewer
Musik: Peter Kaizar
WDR / ORF 2004
48 Min.


Dan King: Peter Kurth
Karl Young: Gerd Wameling
Anna: Michou Friesz
Colonel: Thomas Thieme
Chief: Michael König
Rezeptionist: Branko Samarovski
Zwei Unbekannte: Alexander Tschernek, Karsten Rühl Kellner: Uwe Achilles


Dan King, Privatdetektiv ohne besondere Kennzeichen und Illusionen, blickt sinnend aus dem Fenster seines Büros: Wird je was wirklich Aufregendes passieren? Da läutet das Telefon, und das unverhoffte Abenteuer beginnt. Schuld daran: ein Mann namens Karl Young, eine Frau, die Young als den schönsten Rotschopf der Welt bezeichnet und Anna Karenina nennt, und der mysteriöse Colonel, ein cooler Geschäftsmann aus Good Old Europe, wo Kriegsverbrecher wie Karadzic und Mladic noch immer frei herumlaufen. Sehr rasch wird King klar, dass er sich auf etwas eingelassen hat, das möglicherweise eine Nummer zu groß für ihn ist, erst recht als er auf den Boss eines unbekannten Geheimdienstes trifft und er immer weiter in die intriganten Machenschaften der verschiedenen Spionagebünde verwickelt wird.

Meine Wertung: + + +
 

Der Fall Mata Hari
von Helmut M. Backhaus

Regie: Otto Kurth
BR 1979
59 Min.


Mata Hari: Rosemarie Fendel
Latour: Karl Michael Vogler
Marov: Siemen Rühaak
Daissac: Helmut Stange
McLeod: Jochen Striebeck
Oberstarzt: Michael Gahr
General: Otto Kurth
Sekretär: Wolfgang Dörich
Colonel: Harry Kalenberg
Gerichtspräsident: Hans-Günter Martens
Anna Ritter: Ursula Traun


Die Niederländerin Gertrud Margarete Gelle, besser bekannt als Mata Hari, Tänzerin, hat bis zum Ersten Weltkrieg Männer höchsten Ranges in ganz Europa fasziniert- und gelangte ganz nebenbei an Informationen, mit denen eine Tänzerin normalerweise nicht viel anfangen kann, für die man allerdings so viel Geld bekommt, wie eine Tänzerin normalerweise in ihrem ganzen Leben nicht verdient. Das machte mitten im Krieg die Franzosen stutzig: Mata Hari wird in Paris verhaftet, der Leitung einer deutschen Spionagezentrale beschuldigt und am 15. Oktober 1917 erschossen. Im "Fall Mata Hari" sieht sich Inspektor Latour auf der Suche nach der Wahrheit gezwungen, das gesamte Leben dieser rätselhaften Frau wieder aufzurollen. Doch der Untersuchungshäftling Mata Hari ist wenig kooperationsbereit.

Meine Wertung: + +
   

Bemerkungen:
Mit "In geheimer Mission" holt der DAV vier Hörspiele, die sich in der Welt der Agenten und Geheimdienste bewegen, aus den Archiven der Radiosender. Sie handeln vor unterschiedlichen politischen Hintergründen, die mehr oder weniger weit in die Geschichte hineinragen.
 
Die zeitliche Palette reicht vom Ersten Weltkrieg bis zum Bürgerkrieg auf dem Balkan. Diese Hintergründe sind mal mehr, mal weniger wichtig zum Funktionieren der Handlung.
 
Eher allgemein aus dem Agentmilieu berichtet das Zugpferd der Box, John le Carré. In Endstation bringt er ein Katz und Maus-Spiel zwischen zwei Agenten, die sich gegenseitig ins Verhör nehmen. Matthias Haaspe und Dieter Ranspach geben diesen ihre Stimmen und schaffen im Auf- und Ab dieses Kabinettstückes, in dem jede der Figuren mal die Oberhand zu haben scheint, mal vermeintlich unterliegt, eine gute Performance. Allerdings braucht der Hörer hier ein wenig Stehvermögen, da diese verzwickte Geschichte recht viel Raum braucht, damit die Kontruktion nachvollziehbar erzählt werden kann.
 
In die Endphase des Kalten Krieges führt "Moskau, mon Amour", das als Zweiteiler die längste Produktion in dieser Zusammenstellung ist. Hier geht es zunächst um den Kampf der großen Mächte, der immer mehr auf ein immer kleinere Einheiten heruntergebrochen wird und letztlich im zweiten Teil in einem recht packenden und wendungsreichem Finale mündet. Dies ist durchaus gelungen und entschädigt ein wenig für den eher gemächlichen Auftakt. Zusätzliche Punkte versucht man mit der Einbindung von O-Tönen zu sammeln. Das gelingt zum Teil, vergleicht man dies jedoch mit anderen Hörspielen, die zu ähnlichen Mitteln greifen, bleibt der Effekt jedoch hinter den Erwartungen zurück.

Diesbezüglich kann "Der Fall Mata Hari" aufgrund dees realen Bezuges sammeln. Das Leben der Spionin wird hier in einer soliden Hörspielfassung vorgestellt. Auch wenn es sich um eine dramatisierte Bearbeitung handelt, bleibt die Darstellung eher sachlich und wirkt so mehr wie ein gespieltes Feature, denn eine spektakuläre und actiongeladene Agentengeschichte.

Mehr in diese Richtung geht dann letztlich "Es war einmal ein Spion". Allerdings bezieht sich dies mehr auf "spektakulär", als auf "actiongeladen". Die Geschichte ist zwar als Agentengeschichte angelegt, hat aber deutlich mehr Anleihen im "hard boilded"-Krimigenre.

Was allen vier Geschichten gemein ist, sind die soliden, aber eher gediegenen Umsetzungen. Wenn überhaupt rekrutieren sich die spannenden Elemente eher aus den psychologischen Aspekten in den Interaktionen der Hauptfiguren. Auch wenn die Hörspiele für sich genommen allesamt durchaus für ein paar unterhaltsame Stunden sorgen können, hätte ich mir in dieser Zusammenstellung auch ein paar temporeichere Produktionen gewünscht. Insofern blieb diese Box etwas hinter meinen Erwartungen zurück.

Gesamtwertung: + +

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