Johanna von Orléans

von Karheinz Koinegg

Regie: Matthias Kapohl
WDR 2009
50 Min.





Bild: SWR/WDR/Sibylle Anneck
Johanna von Orléans: Effi Rabsilber; Bild: SWR/WDR/Sibylle Anneck

Louis de Contes: Roman Konienczny
König Karl: Dennis Grabosch
Erzbischof Régnault: Heinrich Giskes
Bischof Cauchon: Hans-Michael Rehberg
sowie Axel Gottschick, Fabian Sattler, Paul Faßnacht, Oliver Krietsch-Matzura


Es war einmal ein König, der seine Krone und sein Land verloren hatte. Fremde Herren setzten sich auf seinen Thron und raubten, was sie rauben konnten: Gold und Silber, Land und Ehre. Auch seine Ratgeber und Ritter, Bischöfe und Bauern, sogar die Fliegen an der Wand hatten den Mut verloren. Keiner wagte, sich den neuen Herren zu widersetzen. Sie waren viel zu mächtig und der König viel zu mutlos, um auch nur im Traum daran zu denken, sich zu wehren und das Land zurückzuerobern. Da träumte einem Bauernmädchen fern in einem kleinen Dorf, dass es dem König helfen sollte, sein Reich wiederzugewinnen. Es war ein einfaches Mädchen, das nicht einmal lesen konnte. Und von der großen Stadt, in der der König lebte, hatte es kaum gehört. Trotzdem machte es sich auf, um seinen König zu retten. Das Bauernmädchen Johanna, das man später Jeanne d’Arc oder auch Johanna von Orléans nennen sollte, brach 1428 auf, um dem König von Frankreich die verlorene Krone wieder aufs Haupt zu setzen.

Karlheinz Koinegg, geboren 1960 am Niederrhein, lebt heute in Berlin. Für den wdr hat er viele Kinderhörspiele geschrieben, darunter „Die Abenteuer und Irrfahrten des Odysseus“ (1998), „König Artus und die Ritter der Tafelrunde“ (2005) und „Jesus und die Mühlen von Cölln“ (2006). Für seine Bearbeitung von Tahar Ben Jellouns „Papa, was ist der Islam?“ erhielt er 2004 den civis Preis der ard.


Bemerkungen:

Karlheinz Koinegg gehört zur ersten Wahl, wenn es um Kinderhörspiele geht. Seine Geschichten - insbesondere zu historischen Stoffen -  haben zu Recht Kultstatus und sind mehrfach ausgezeichnet worden. In "Heldinnen der Weltgeschichte - Johanna von Orléans" erzählt er die Geschichte der Jean d'Arc. Er nutzt dabei den Blickwinkel eines fiktiven Zeitzeugen, was die Erzählerparts sehr dicht an die Handlung rücken lässt und so für Glaubwürdigkeit sorgt.

Im Gegensatz zu vielen anderen seiner Werke, ist die Geschichte von der Spieldauer etwas eingeschränkt. Sie genügt, um die Vita Jean d'Arcs darzustellen und dabei soviel Raum für Unterhaltsames zu bieten, dass nie das Gefühl von staubiger Informationsvermittlung aufkommt. Aber es fehlt der Raum, um die kleinen Nebenfigürchen und -Geschichtchen einzubinden, die fast so etwas wie ein Markenzeichen seiner Stücke sind. Dass dies vielleicht beim ernsten Hintergrund nicht ganz gepasst hätte, kann bei Koinegg eigentlich kein Argument sein, denn in anderen, ähnlichen Themen, ist dies ja auch kein Hinterungsgrund gewesen. Allerdings polarisieren diese Anteile auch mitunter, so dass zumindest ein Teil der Fans diesem Fehlen keine Träne nachweinen dürfte.

Trotzdem geht es hier nicht bierernst zu. Die Direktheit und Respektlosigkeit der Johanna sorgt hier für den nötigen Humoranteil. Allerdings gibt sich Sprecherin Effi Rabsilber keinen unsinnigen Albernheiten hin, sondern spricht diese Rolle mit der nötigen Würde und Glaubwürdigkeit. Auch das weitere Ensemble überzeugt mit guten Leistungen, herausheben möchte ich aber noch Heinrich Giskes, der den Bischof Cauchon auch ohne Griff in die Klischeekiste, herrlich böse darstellt.


Auch wenn dieses Hörspiel nicht der typische "Koinegg" ist, Unterhaltungswert und Anspruch stimmen auch hier. Eine interessante und kurzweilige Darstellung des Lebens Johanna von Orléans', bei der man gerne einschalten darf!

Meine Wertung: + + + +

Zur Startseite