Juli

Von Iwan Wyrypajew
Aus dem Russischen von Stefan Schmidtke

Komposition: Christof Kurzmann
Regie: Anouschka Trocker
rbb 2009
55 Min.


Mit Katharina Schubert

Katharina Schubert bei der Produktion von "Juli" © rbb/Hanna Lippmann
Katharina Schubert bei der Produktion von "Juli"
© rbb/Hanna Lippmann



Zuerst verbrennen sein Haus, die zwei Hunde und alles, was seine Existenz ausmachte, mit ihm. Und dann beginnt, was Pjotr selbst einen „gnadenlosen Hirnfick“ nennt. Die Psychiatrie von Smolensk erscheint ihm als letzte Zuflucht. Auf dem Weg dorthin tötet er seinen Nachbarn Kolja, weil der ihm nicht helfen will, einen Obdachlosen, weil er dessen Schlafplatz braucht, und schließlich sogar den Popen, in dessen Kloster er Aufnahme findet. Und dann beginnt sein eigenes Martyrium. In der Psychiatrie von Smolensk, in der Pjotr nun ganz unfreiwillig landet, liegt er - gefoltert und gequält, angeschnallt auf einer Pritsche. Raum und Zeit lösen sich auf, Identitäten verschwimmen, Träume und Gesichter beherrschen ihn. Er stirbt und bricht zu seiner Himmelfahrt auf.


Iwan Wyrypajew wurde 1974 im sibirischen Irkutsk geboren und gilt als einer der wichtigsten Dramatiker seiner Generation, arbeitet aber auch als Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor. 1998 begann er eine Regieausbildung an der Moskauer Theaterhochschule Schukin. Seit 2001 arbeitet er mit seiner eigenen Theatertruppe in Moskau am „Zentrum Neues Drama: Theater.doc“.


Bemerkungen:

Der Monolog von Iwan Wyrypajew ist als Bühnenstück bekannt geworden und erfährt nun in der Umsetzung des rbb seinen Transport ins Hörspielfach. Wie vom Autor befohlen wird der Monolog von einer Frau vorgetragen, obwohl dies zur Hauptperspektive, nämlich die des Pjotr, nicht wirklich passen will.

Allerdings wirkt der Monolog, so wie in Katharina Schubert vorzutragen weiß, nochmals verstörender, als er aufgrund des Inhaltes schon für sich genommen ist. Die Rohheit des Stückes ist erschreckend und kann auch weder durch die kunstvolle Sprache, noch durch die gelungene und ideenreiche Inszenierung dieses  Monologs zu einer Tolerierbarkeit geführt werden. Inhaltlich verpasst man hier nicht wirklich viel - wer extremes audiophones Blutvergießen und Gemetzel nicht verträgt, sollte "Juli" ohnehin fern bleiben.

Formal ist dieses Stück hingegen nicht zu beanstanden. Hut ab vor der Leistung Katharina Schuberts und der Regie von Anouschka Trocker. Die musikalische Auskleidung von Christof Kurzmann fügt sich gut ins Bild ein, tritt alledings in einigen Passagen etwas zu sehr auf der Stelle.


Trotz adäquater Umsetzung hat mich "Juli" nicht überzeugen können, denn qualitativ konnte mich der Inhalt nicht im Mindesten überzeugen. 
   

Meine Wertung: -
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