| Kaspar Häuser Meer von Felicia Zeller Regie: Andreas Getto NDR 2009 47 Minuten Anika: Anne Weber Barbara: Krista Posch Silvia: Astrid Meyerfeldt Kollege Björn ist schon seit 14 Tagen krank gemeldet. Niemand im Sozialamt weiß, wann er wieder einsatzfähig sein wird. Er hinterlässt 104 lückenhaft dokumentierte Fälle. Barbara, Silvia und Anika, drei Jugendsozialarbeiterinnen, die selber jeweils an die neuzig Fälle betreuen, sind heillos überfordert. An Hilfe von der Leitungsebene, die wie immer Etatkürzungen vorschiebt, ist nicht zu denken. Das Björn-out-Syndrom prägt ihre berufliche Existenz, ein stetiges Bemühen, Kindern und Eltern zu helfen, die ständige Erfahrung des Scheiterns, die Anstrengung, die Zeit noch besser zu organisieren, gepaart mit der Angst vor der Verurteilung wegen unterlassener Hilfeleistung. In einer ausufernden Sprache, die der Wirklichkeit abgelauscht ist, aber weder authentisch noch dokumentarisch sein will, wird von Stillstand und Bewegungslosigkeit bei inflationärer Tätigkeit erzählt. Felicia Zeller, 1970 in Stuttgart geboren, Studium an der Filmakademie Baden-Württemberg, unter anderem wohnhaft in Berlin, schrieb Theaterstücke und Prosa, produzierte Kurzfilme und Videos und ist als Medienkünstlerin tätig. Für "Kaspar Häuser Meer", eine Auftragsarbeit für das Theater Freiburg, erhielt sie den Publikumspreis der 33. Mühlheimer Theatertage. Bemerkungen: Eine vielversprechende Grundidee verliert sich im Klischee und einer zu "modernen" Darstellung; so kann man diese Produktion wohl zusammenfassen. Hier wird versucht, die Geschichte durch einzelne Fragmente darzustellen, was leider nur bedingt gelingt. Die Sätze, die zwar zu einem großen Kontext gehören, direkt aber kaum Verbindung untereinander haben, leiden zudem darunter, dass sich hieraus kaum neue - und damit interessante - Aspekte ergeben. Auch die Art, wie das Ganze hier transportiert wird, sorgt ebenfalls nicht für Stimmung. Die drei Sprecherinnen klingen hier nach allem, aber nicht nach Sozialarbeiterinnen im Alltag. Die künstlich vollkommen überhöhte Darstellung nervt bereits nach wenigen Minuten und schmälert deutlich die Lust, sich dem Thema überhaupt zu widmen. So werden 47 Minuten sehr, sehr lang. Letztlich kann ich hier - abgesehen vom guten Willen - nicht wirklich viel Positives erkennen. "Kaspar Häuser Meer" findet sicherlich seine Hörer, allerdings gehöre ich nicht mal im Ansatz dazu. |
| Meine Wertung: - - - |
| Zur Startseite |
![]() |