| Kein runter kein fern von Ulrich Plenzdorf . Regie: Norbert Schaeffer SDR/HR/NDR 1989 52 Min. Mit Dirk Nawrocki, Uta Hollant, Helmut Zierl, Wolfgang Reinsch, Maren Kroymann, Günter Sauer, Fred C. Siebeck u.a. Für den seinem Hörspiel zugrunde liegenden Text erhielt Ulrich Plenzdorf im Jahre 1978 den Ingeborg-Bachmann-Preis der Stadt Klagenfurt. In einer Sprache aus Berliner Slang, Subkultur und Pop-Jargon lässt Plenzdorf einen Jungen darüber nachdenken, wie er sich seinen Wunsch, »Mick und die Stones« zu sehen, erfüllen kann; die Stones sollen, so lautet ein Gerücht, in der Nähe der Mauer spielen. Die Mutter des Jungen ist in den Westen gegangen, er bleibt schutzlos der repressiven Erziehung seines gesellschaftlich gut funktionierenden Vaters ausgesetzt. Die naiven, gestammelten Hoffnungen des heimatlos gewordenen Jungen werden der autoritären Sprache des Vaters und der abgeschliffenen Sprache des Radioreporters entgegengesetzt, der enthusiastisch von den Feierlichkeiten des 20. Jahrestages der DDR berichtet. Ulrich Plenzdorf (1934-2007), geboren und gestorben in Berlin. 1950 zog die Familie von West- nach Ost-Berlin. Das Studium des Marxismus-Leninismus brach Plenzdorf ab und ging als Bühnenarbeiter zur DEFA. Dann Studium an der Filmhochschule Babelsberg. Szenarist, Dramaturg und Drehbuchautor bei der DEFA. Mit seiner ersten Prosa- veröffentlichung, »Die neuen Leiden des jungen W.«, wurde er 1972 als Autor bekannt. Es folgte »Die Legende von Paul und Paula« und 1978 der Ingeborg-Bachmann-Preis für »Kein runter kein fern«. Nach der Wende schrieb er, neben zahlreichen anderen Drehbüchern, für die Serie »Liebling Kreuzberg«. Bemerkungen: "Kein runter" und "Kein fern" sind die Strafen, die sich der tyrannische Vater seinem Sohn auferlegt. Dieser ist Hilfsschüler und wird daher vom Vater nicht akzeptiert. Der findet seinen älteren Sohn besser, da dieser auch eher seinen Fanatismus für die DDR und das Regime teilt. Der Hilfsschüler Fleischmann hingegen träumt davon, dass das umlaufende Gerücht, die Stones würden am 20. Jahrestag der DDR auf der westlichen Seite der Mauer spielen, wahr wird. Er will sie, wie viele andere auch, sehen und gerät in eine Menschenmenge, die von der Volkspolizei, der auch sein Bruder angehört, aufgelöst wird. Der innere Monolog des Hilfsschülers, der die gegenwärtige Situation schildert, aber auch immer wieder Erinnerungen einbaut, stellt sein bisheriges Leben und die erlebten Konflikte dar. Norbert Schaeffer schneidet in dieser Umsetzung diesem Monolog die Einwürfe der Familie, insbesondere die des Vaters, und die Durchsagen zum Festakt des 20. Jahrestages der DDR, scharf gegen. Das funktioniert gut, zumal das Ensemble das auch entsprechend mitträgt und den Text glaubhaft transportieren kann. Sicherlich ist "Kein runter, kein fern" kein Stoff für die leichte Unterhaltung zwischendurch, wer aber gute dramatische (und dramatisierte) Stoffe mag, der sollte hier auf jeden Fall ein Ohr riskieren. Meine Wertung: + + + |
||
![]() |
||