Oliver Sturm (Regie, li.) und Peter Sikorski (Erik)
Bilder: SWR/Christel Korte
Inhalt:
Die Zwillingsschwestern Barbro und Kerstin sind
alles andere als Landeier. Sie genießen das bunte Leben in
der Stadt und reagieren reichlich verwirrt, als der Vater ihnen
plötzlich eröffnet, er wolle mit der Familie auf ein
abgeschiedenes kleines Landgut ziehen. Entsetzt stellen sie und die
vornehme Mutter fest: Der entlegene Bauernhof ist völlig
heruntergekommen, die wenigen Bediensteten sind restlos
überfordert, und es fehlt überall am nötigen
Geld. Da heißt es: anpacken! Die Zwillinge stehen vor einem
Berg von ungewohnter Arbeit. Dennoch lassen sie sich von ihrer neuen
Umgebung bald begeistern: Ein endlos langer Sommer liegt vor ihnen,
verheißungsvoll, turbulent und heiter. Die Anstrengung lohnt
sich - mit viel Fleiß und Ausdauer gelingt es, den
abgewirtschafteten Hof wieder einigermaßen hochzubringen.
Rückschläge und Enttäuschungen bleiben zwar
nicht aus, doch die Schwestern lernen die Vorzüge des
Landlebens schätzen: Neben erfrischenden Badeplätzen
und köstlichen Walderdbeerstellen sind es vor allem die neuen
Freundschaften und Verliebtheiten, die ihnen das spannende
Gefühl vermitteln, glücklich am Nabel der Welt
angekommen zu sein. Da werden fröhliche Feste gefeiert und
komische Streiche gespielt, es herrscht die ernsthafte Art der
Ausgelassenheit, die Lindgrens Werk unverwechselbar macht.
Bemerkungen:
Ein frühes Werk Astrid Lindgrens und
leider auch
eines, dass als Kinder- und Jugendbuch heute etwas altmodisch wirkt und
mehr in Bezug auf die Autorin selbst von einigem Interesse sein
dürfte. Wer eine übliche Lindgren-Erzählung
erwartet,
wird daher eher enttäuscht sein. Denn "Kerstin und ich" ist
eine
Geschichte, die beileibe nicht so zeitlos ist und die eher als Bild
einer Epoche gelten kann.
Einzig ihr Humor, ihre erzählerische Leichtigkeit und ihre
moderne Einstellung lassen sich in diesem Werk wiederfinden.
Oliver Sturm hat das Hörspiel für den SWR bearbeitet
und der
Geschichte eine schöne Atmosphäre verschafft. Das
Schweden
Lindgrens wird hier hörbar und der Inhalt ohne Zutun von
akustischem Schmalz sehr gut und glaubwürdig transportiert.
Die
Musik von Henrik Albrecht und Gerd Bessler sorgen hier für ein
angemessenes Flair, das sich nicht in aufgesetzten
Sentimentalitäten verliert. So transportiert man viel
Gefühl,
ohne auch nur den Hauch von Kitschigkeit aufkommen zu lassen.
Eigentlich ist es ein wenig schade, das diese Geschichte so ein wenig
im Schatten steht, denn für sich betrachtet ist sie, zumindest
in
dieser Hörspielfassung, durchaus hörenswert. Hier und
da ein
wenig spröde vielleicht, aber insgesamt unterhaltsam und
kurzweilig.
Allerdings könnte der Name der Autorin falsche
Erwartungen
wecken - in die gewohnte Lindgren-Ecke passt "Kerstin und ich"
sicherlich nicht.