Knöpfe
  Autor: Ilse Aichinger
  Produktion: SDR / NWDR 1953
Regie: Otto Kurth
  Länge: 70 Min.


Mitwirkende:

Ann: Liselotte Köster
Rosy: Karin Schlemmer
Jean: Ingeborg Engelmann
John: Heinz Reincke
Bill: Erwin Linder
Jack: Alf Tamin
Verkäufer: Walter Thurau
Eine Stimme: Fred Koebel

Inhalt:

Ann arbeitet seit Neuestem in einem Knopfladen, sie ist dankbar für den sicheren Arbeitsplatz. Aber obwohl die Arbeit harmlos ist, liegt etwas Unheimliches in der Luft. Von Zeit zu Zeit hören die Mitarbeiterinnen ein seltsames Geräusch hinter der Wand. Die Knöpfe, die sie sortieren, sind wertvoll, schön und aus einem Material, das niemand benennen kann. Ann verändert sich, ihr Freund John macht sich Sorgen. Je länger sie in diesem Laden arbeitet, desto mehr wird sie von etwas Unnennbarem vereinnahmt. Aber Ann wischt Johns Bedenken weg; muss sie, in Zeiten der Arbeitslosigkeit, nicht dankbar sein für die leichte Arbeit und den geheizten Arbeitsraum?

Bemerkungen:



In Knöpfe erzeugt Ilse Aichinger eine bedrohliche Kulisse. Das Verschwinden von Menschen, die von der Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes verschlungen werden, und aus Angst vor dem Verlust des Jobs, sich nicht im Mindesten dagegen wehren, ist ein Plot, der auch heute noch aktuell ist, vielleicht sogar aktueller, als er damals schon war.

Die Protagonistin Ann fügt sich hier in ihr Schicksal, sucht fadenscheinige Erklärungen, und erst als ihre Vermutung Gewissheit wird, versucht sie, Geschehenes rückgängig zu machen. Ein Kampf, den sie nicht gewinnen kann.

Die Produktion ist durch die zurückhaltende Inszenierung recht zeitlos gehalten. Der Text benötigt auch keine entsprechenden Stilmittel. Er entwickelt die bedrohliche Stimmung dieser Geschichte von ganz alleine. Etwas progressiver wird hier nur die Musik eingesetzt, die meist, aber leider eben nicht immer, die jeweilige Stimmung trifft.

Schauspielerisch überzeugt das gesamte Ensemble; hervorheben lassen sich vor allem Lieselotte Köster und Heinz Reincke, die mit ihrer Leistung am meisten beeindrucken.

"Knöpfe" ist ein interessanter Plot, der eine eingängige, aber dennoch tiefgründige Geschichte erzählt. Die sehr passende, zurückhaltende Inszenierung stünde dem Stück eigentlich gut, allerdings sorgt der Musikeinsatz hin und wieder dafür, dass diese stille Umsetzung etwas zu harsch durchbrochen wird.
Meine Wertung: + + +
Zu den aktuellen Radio-Tipps
Zum Radio-Tipp-Archiv