Kreuzeder

Von Jörg Graser

Regie: Robert Matejka
DLR 2010
55 Min.




Bild: SWR/Deutschlandradio/Sandro Most
Kreuzeder: Sigi Zimmerschied; Bild: SWR / DRadio / Sandro Most

Bild: SWR/Deutschlandradio/Sandro Most
Psychologin: Luise Kinnseher; Bild: SWR / DRadio / Sandro Most

Becker: Felix von Manteuffel
Moritz: Ferdinand Weiss
Wiesel: Gottfried Breitfuß
Holzner: Johannes Schön
Fuchs: Thomas Birnstiel
Pfarrer: Ferdinand Dörfler
und Larissa Iwlewa, Barbara Kysela, Martin Leutgeb, Florian von Manteuffel, Eva Sixt, Martin Weigel, Peter Weiss, Lisa Wildmann


Es gibt zu viele Morde auf dieser Welt. Der dicke Kommissar Kreuzeder vom Morddezernat Passau lässt sich durch einen neuen Fall nicht gleich in der Mittagspause stören. Schweinsbraten, fünf Weißbier und sechs Obstler hat er bestellt. Eine Leiche, die mit dem Mähdrescher zu Gulasch - beziehungsweise eher zur Roulade - gemacht wurde, ist keine appetitliche Aussicht. Und wer sich wie Kreuzeder seit 20 Jahren mit Täterlogik befassen muss, ahnt mehr Motive zwischen Himmel und Erde, als der Aufklärungsquote in Niederbayern dienlich ist.

Auf dem total überschuldeten Bauernhof der Familie Holzner ist ein Bankbeamter ermordet worden. Kreuzeder fehlt es an Eifer bei dieser Ermittlung. "Haben Sie generelle Zweifel am Schuldprinzip?", fragt ihn die Psychologin.


Jörg Graser, geboren 1951 in Heidelberg, Dramatiker, preisgekrönter Film- und Fernsehautor und Regisseur. Adolf-Grimme-Preis (1991). Hörspiele u.a. "Jailhouse Blues" (DLR Berlin/NDR 2003), zuletzt "Diridari" (DKultur 2006).


Bemerkungen:

Jörg Graser beweist mit "Kreuzeder", dass es durchaus gelingen kann, eine Geschichte sehr leicht, locker und sogar mit einer ordentlichen Portion Witz zu erzählen und doch darin sehr viel Hintergründiges einzupacken. Die Geschichte stellt sich zunächst als bayerischer Schwank im Krimigenre dar. Der alte, dick gewordene Kommissar, der sich auch von einem Mordfall nicht beim Essen - und vor allem Trinken - stören lässt, das klingt zunächst nach viel volkstümlichem Klischee. Es wechselt, als die Umstände der Tat - ein Mord per Mähdrescher - bekanntwerden. Die unappetitlichen Einzelheiten wirken in der beschaulichen bayerischen Kulisse sehr skurril. Tiefgang bekommt die Geschichte dann, als die Beweggründe Kreuzeders mittels der Psychologin ans Licht kommen.

Die Inszenierung kommt in den Dialogen sehr traditionell daher. Etwas ungewöhnlich wirken hier nur die Erzählerpassagen, was sich im Laufe des Hörspiels aber auch erklärt und schlüssig wird. Die leichte Darstellung fordert die Schauspieler nicht zum Äußersten, einzig Felix von Manteuffel hat hier eine Rolle, die emotional etwas mehr hergibt. Ansonsten geht es doch eher behäbig zur Sache, was die Geschichte aber auch für ihre Glaubwürdigkeit so fordert. Insofern darf man hier froh sein, dass man ihr den Raum lässt und sie nicht mit einer überzogenen Inszenierung übertüncht.

"Kreuzeder" ist eine Produktion, bei der man alles richtig gemacht hat. Eine sehr originelle Geschichte, die mit  Skurrilem, Klischees, Tiefgang und Humor eine tolle, originelle Geschichte zaubert, der Regisseur Robert Matejka auch in einer angenehmen zurückhaltenden Inszenierung einen angemessenen Rahmen bietet.

Das sollte man sich nicht entgehen lassen!

Meine Wertung: + + + + +
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