| Kreuz und queer. Das kurze und
abenteuerliche Leben der Prophetin und lesbischen Soldatin Anastasius
Lagrantinus Rosenstengel Von Lorenz Schröter Regie: Nikolai von Koslowski WDR 2010 55 Min. Hörprobe: Mit Katja Bürkle, Felix von Manteuffel, Matthias Matschke, Peter Kurth, Karina Plachetka Catharina Linck (1687-1721) ließ sich bei einer radikalpietistischen Sekte auf den schönen Namen Anastasius Lagrantinus Rosenstengel taufen und heuerte in Männerkleidern als Musketier an. Als Soldat für die eine oder andere Seite verführte sie mit einem selbstgemachten Lederpenis hübsche Frauen. Wurde es gefährlich, desertierte sie. Sie heiratete ein Fräulein Mühlhan, schnorrte sich bei Priestern durch und wechselte öfter das Glaubensbekenntnis. Ihre Schwiegermutter schöpfte schließlich Verdacht und verriet sie an die Inquisition. Unter dem Galgen musste sie ihr wahres Geschlecht offenbaren. Die authentischen Gerichtsakten und Berichte führen zurück ins 18. Jahrhundert, wo eine wahrhaft abenteuerliche Frau um ihr Leben kämpft. Lorenz Schröter, geboren 1960, schrieb zahlreiche Romane und Hörspiele, von denen „Kreuz und queer“ das zweite über das 18. Jahrhundert ist. Einst radelte er um die Welt und ritt auf einem Esel durch Deutschland. Bemerkungen: In "Kreuz und Queer" bildet Autor Lorenz Schröter die Geschichte Catharina Lincks zu großen Teilen anhand von Gerichtsakten ab. Er lässt sie formal in der Sprache des 18. Jahrhunderts und schiebt meist nur kurze Begriffserläuterungen ein. Das interessante Leben der Catharina Linck wird so unter dem Aspekt der damaligen Straftatbestände dargestellt. Daneben zeigt dies aber auch die Schwierigkeiten, die das Gericht mit den Tatbeständen hatte, um das geeignete Strafmaß zu finden. Trotz unterschiedlicher Auffassungen in dieesem Punkt, wird letztendlich das Todesurteil vollstreckt. Die Darstellung ist durch die Übernahme der Originaldokumente recht festgelegt. Die Umsetzung folgt dieser Strukur, man lässt aber die Schauspieler die jeweilige Emotion, die hinter dem Text steht, leben. Damit gelingt eine recht originelle Mischung aus Originaltext und spielerischer Interpretation - aber auch ein Kompromiss. Man sollte etwas Hörinteresse mitbringen, denn die hohe Bindung an die Vorlagen macht das Stück ein wenig schwergängig. Meine Wertung: + + |
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