Lager ohne Grenzen

Bild: WDR/Zentralbild
von Christoph Schlingensief; Bild: WDR/Zentralbild

Regie: Christoph Schlingensief
WDR / DLR 1999
34 Min.

Mit Bernhard Schütz, Margit Carstensen, Irm Hermann u.a.



April 1999: Angesichts des Krieges im Kosovo haben sich zahlreiche Persönlichkeiten aus Europa unter der Leitung von Christoph Schlingensief zusammengetan, um im Rahmen einer Benefizgala Geld und Sachspenden für Flüchtlinge aus der ganzen Welt zu sammeln. Über 300 Mitarbeiter garantieren die ordnungsgemässe Aufnahme der Spendengelder. Vor allem aber sind 280 Telefone freigeschaltet.

Christoph Schlingensief (1960-2010), Regisseur, Autor und Aktionskünstler. Hörspiele Rocky Dutschke '68 (WDR 1997), „Chance 2000“ oder Was vom Wählen übrig blieb (WDR/Dradio Kultur 1998), Rosebud (WDR 2002, Hörspielpreis der Kriegsblinden).


Bemerkungen:

Ich habe Hochachtung vor dem künstlerischen Wirken Christoph Schlingensiefs und emfand seine Arbeiten ob ihrer Spontanität, Kreativität und Passion als großartig. Mit seinen Hörspielen allerdings konnte er mich nur bedingt erreichen; das inszenierte Chaos konnte mich kaum begeistern. In "Lager ohne Grenzen" hält sich zwar mein Jubel auch etwas in Grenzen, aber hier herrscht eine gewisse Struktur, die dieser bitterböse Satire einen guten roten Faden verleiht.

Die Spendengala orientiert sich nahe an den realen Formaten und so lässt sich jeder bissige Halbsatz sehr gut einordnen. Schlingensief provoziert und legt den Finger in die Wunde. Er vergisst aber auch nicht die Prise Humor, die so woh dosiert ist, dass der Biss und der Respekt vor den tatsächlichen Ereignissen nicht verloren geht, das Hörspiel aber unterhaltsam wird und eben nicht zu einem bloßen zynischen Pamphlet wird.


Fans von Schlingensief kommen an "Lager ohne Grenzen" ohnehin nicht vorbei, aber auch diejenigen, die von diesem Ausnahmekünstler sonst überfordert sind, sollten hier durchaus mal ein Ohr riskieren.


Meine Wertung: + + +
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