Leben und Schicksal
Autor: Wassili Grossman
Bearbeitung: Helmut Peschina
Produktion: NDR 2009
Regie:
Norbert Schaeffer
© NDR/Fritz Meffert
Musik: Hans Schüttler, Reinhard Lippert
Dauer: 328 Min. 

Hörspiel des Monats September 2009
 

Mitwirkende:

Erzähler: Jürgen Hentsch

Alexandra Wladimirowna: Katharina Matz
Ljudmila Nikolajwna Strum, Ljuda, ihre Tochter: Anne Weber
Viktor Pawlowitsch Strum, Vitja, Ljudmilas Mann: Andras Grothgar
Nadja, die Tochter: Effi Rabsilber
Jewgenia Nikolajewna Schaposchnikowa, Genia, Alexandras zweite Tochter: Ulrike Grote
Anna Semjonowna Strum, Anja, Viktor Pawlowitschs Mutter: Margarita Lounis

Dimitri Petrowitsch, Tschepyschin, Institutsleiter: Dietmar Mues
Alexej Alexejewitsch, Schischakow, sein Nachfolger: Uli Pleßmann
Kassjan Terentjewitsc Kowtschenko, dessen Stellvertreter: Christoph Tomanek
Sawostjanow: Jona Mues
Swetschin: Lutz Herkenrath
Markow: Mathias Lange
Anna Stepanowna Loschakowa / Anna Naumowna Weißpapier: Traudel Sperber
Pjotr Lawrentjewitsch Sokolow: Gustav Peter Wöhler
Marja Iwanowna Sokolowa, seine Frau: Astrid Meyerfeldt

Achmet Usmanowitsch Karimow: Diemar Mues
Leonid Sergejewitsch Madjrow: Lutz Herkenrath
Limonow, Bekannter Jewgenias in Kuibyschwew: Robert Lenkey

Jeremenko, Oberbefehlshaber an der Stalingradfront: Pjotr Olev
Tschuikow: Douglas Welbat
Krylow: Udo Jolly
Batjuk: Alexander Geringas
Berjoskin, Major: Oliver K. Wnuk
Podtschufarow, Bataillonskommandeur: Andreas Petri
Gluschkow, MP-Schütze: Rüdiger Hauffe
Pjotr Pawlowitsch Nowikow: Panzerkorpskommandant: Wanja Mues
Werschkow, sein Adjutant: Michael von Benningsen
Below / Makarow: Fjodor Olev
Michaeil Petrowitsch Neudobnow, General unter Nowikow: Hans Peter Korff

Grekow, Kommandant: Andreas Bichler
Serjoscha Schaposchikow, Sohn  Dmitris, Enkel Alexandras: Jona Mues
Katja Wengrowa, Funkerin: Theresa Rose

Nikolai Grigorjewitsch Krymow, Genias erster Mann: Wolf-Dietrich Sprenger
Dementi Trifonowitsch Getmanow: Werner Wölbern
Galina Terentjewna Getmanowa: Barbara Auer

Generalfeldmarshall Paulus: Wolfgang Karven
Generalmajor Schmidt: Udo Jolly
Halb, Chef der Feldgendamerie: Gerhart Hinze
Lehnar, Kompanieführer: Ole Schlosshauer

Michaeil Sidorowitsch Mostowskoi: Peter Striebeck
Ossipow / Guds: Gerhart Hintze
Ikonnikow-Morsch: Friedhelm Ptok
Jerschow: Uli Pleßmann
Sfoia Ossipowna Lweinton, Sonja, Feldärztin: Brita Subklew
David, Waisenjunge: Bennet Zippel
Liss, SS-Sturmbannführer: Jens Wawrczeck
EIchmann, SS-Obersturmbannführer: Peter Jordan

Arbatschuk, Toljas Vater: Michael Evers
Barchatow: Ben Hecker
Magar: Friedhelm Ptok
Neusolimow: Klaus Ditmann
Jossif Wissarionowitsch Stalin: Dietmar Mues

sowie Achim Buch, Ulrich Faulhaber, Birger Frehse, Alexander Geringas, Michael Griem, Stefan Haschke, Rüdiger Hauffe, Kerstin Hilbig, Andrea Jolly, Jean Maesér, Arash Marandi, Katharina Matz, Anne Moll,  Anton Pleva, Stefan Schad, Ole Schlosshauer, Sebastian Wirmitzer, Christoph Zapatka.



© NDR/Fritz Meffert
Mathias Lange als Artelew und Markow,
Jona Mues als Andrea, Trjufelew, Serjascha und Sawostjanow,
Gustav Peter Wöhler als Sokolow,
Astrid Meyerfeldt als Iwanowna
und Andreas Grothgar als Strum.

© NDR/Fritz Meffert
Lutz Herkenrath als Madjarow und Swetschin und Andreas Grothgar als Strum

© NDR/Fritz Meffert
Jona Mues als Andrea, Trjufelew, Serjoscha und Sawostjanow,
Gustav Peter Wöhler als Sokolow
und Dietmar Mues als Karimow, Tschepyschin und Stalin

© NDR/Fritz Meffert
Gustav Peter Wöhler als Sokolow

© NDR/Fritz Meffert
Astrid Meyerfeldt als Iwanowna

© NDR/Fritz Meffert
Jona Mues als Andrea, Trjufelew, Serjoscha und Sawostjanow

© NDR/Fritz Meffert
Mathias Lange als Artelew und Markow

© NDR/Fritz Meffert
Lutz Herkenrath als Madjarow und Swetschin

© NDR/Fritz Meffert
Andreas Grothgar als Strum

Bilder: © NDR/Fritz Meffert
   
   

Inhalt:

Als im Februar 1943 die 6. deutsche Armee in Stalingrad kapituliert, bedeutet dies nicht nur die Wende im Zweiten Weltkrieg. Für die Sowjets ist Stalingrad auch ein Wendepunkt in ihrem Verhältnis zu Diktatur und Terror. Mit großer Anteilnahme beschwört Wassili Grossman aus russischer Perspektive den Kampf an der Wolga, erzählt vom Häftlingsleben und -sterben in deutschen Gefangenenlagern und in den sowjetischen Gulags. Dabei wird die frappierende Verwandtschaft von Nationalsozialismus und Sowjetregime offengelegt. Der jüdische Kernphysiker Strum und die weit verzweigte Stalingrader Familie Schapownikow, in die er eingeheiratet hat, der in einem deutschen Lager inhaftierte Michail Mostowskoi, die deutschen und sowjetischen Militärs, Wissenschaftler, Soldaten und einfache Zivilisten - Wassili Grossman hat unzählige Einzelschicksale zu einem groß angelegten Erzählkosmos verwoben. Sein 1000-seitiges Epos über die Schlacht um Stalingrad, an dem er von 1943 bis 1960 arbeitete, wird mit Tolstois "Krieg und Frieden" und dem Werk Solschenyzins verglichen. Es wird heute als Meisterwerk der Literatur des 20. Jahrhunderts angesehen.

Das Manuskript des Romans wurde 1961 vom KGB beschlagnahmt. Nach dem Tod des Schriftstellers auf Mikrofilm (1964) hinausgeschmuggelt, erschien der Roman in Auszügen erstmals 1980 im Exil in russischer Sprache. Seit 2007 liegt eine komplette deutsche Ausgabe vor.


Wassili Semionowitsch Grossman (1905 - 1964) wurde als Sohn einer jüdischen Familie in Berditschew (Ukraine) geboren. Von Beruf Chemiker, wird er ab 1930 Schriftsteller. Seine Erfahrungen während des Krieges, die Katastrophe der europäischen Juden, die auch ihn persönlich traf - seine Mutter wurde nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion 1941 mit mehr als 20.000 bis 30.000 Juden in der Ukraine ermordet - bestimmen sein späteres schriftstellerisches Werk. Grossman nimmt als Kriegsreporter für die Armeezeitung "Roter Stern" an der Schlacht um Moskau und Stalingrad, der Rückeroberung Weissrusslands und der Schlacht um Berlin teil. Er wird Zeuge der Befreiung der Konzentrationslager Majdanek und Treblinka. Sein Artikel "Die Hölle von Treblinka" (1944) wird während der Nürnberger Prozesse als Dokument der Anklage verwendet. Zu Lebzeiten Grossmans wurden nur wenige seiner Nachkriegswerke veröffentlicht.



Bemerkungen:
Nach der Produktion "Das dritte Buch über Achim" hat sich der NDR einem lange unveröffentlichtem Werk angenommen. Wassili Grossmanns großer Roman "Leben und Schicksal" blieb zwanzig Jahre unveröffentlicht, bevor dann ersten Auszüge gedruckt werden konnte. Es wundert nicht, denn dieses Buch wendet sich gegen totalitäre Regime und spart insofern auch nicht mit Kritik am damaligen System in der Sowjetunion.

Er schildert sehr detailgetreu von den Opfern und Tätern der Grausamkeiten, die sich im und nach dem zweiten Weltkrieg ereignet haben - Ob an der Front oder in den Lagern und vor allem unabhängig, welche Partei die Täter-, welche die Opferrolle ausführte. Er schildert die Auswirkungen der Unmenschlichkeiten auf ein breites Figurenspektrum und zeigt auch auf diese Art die unterschiedlichen dramatischen Einflüsse.

Natürlich kann man viel über Greuel dieser Epochen lesen, Grossmann hat aber die Perspektive des Selbsterlebten, die es ihm ermöglicht, bis in die Details glaubhaft zu wirken und gleichzeitig die Elemente über den bloßen Bericht hinaus in einen Roman zu packen, in dem jedes Wort wahrhaftig wirkt.

Helmut Peschina hat sich dem monumentalen Werk angenommen und diesen sehr adäquat in ein Hörspiel umgesetzt. Obwohl dieses mit einer Spielzeit von fast 330 Minuten recht lange geworden ist, musste man hier dennoch viel verdichten. Der Hörer bekommt hier trotzdem ein umfassendes Bild geliefert. Er muss sich mit einer Vielzahl von Charakteren auseinandersetzen. Dazu kommt, dass die Handlung inneinander recht verschachtelt ist und die Sprünge zwischen den einzelnen Strängen nicht selten sind. Die Inszenierung hilft aber mit wechselnden Hintergründen und unterschiedlichen musikalischen Themen, dies stets nachvollziehbar zu machen.

Beeindruckend ist nicht nur das Werk und die gelungene Inszenierung, auch das Sprecherensemble sorgt für Aufmerksamkeit. Die Vielzahl der Figuren werden von erstklassigen Schauspielern verkörpert. Die Besetzungsliste liest sich nicht nur wie ein Who-is-who der Sprecherszene, auch die gebotenen Leistungen sind erstklassig - da stören selbst ein paar Doppelbesetzungen nicht.


Ein großer Roman, eine großartige Produktion! Dem Team um Norbert Schaeffer gelingt es das Werk Grossmanns in ein angemessenes und gut inszeniertes Hörspiel zu packen. "Leben und Schicksal" gehört für mich zu den besten Produktionen des Jahres 2009.

   

Meine Wertung: + + + + +

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