Leo Kaplan

Hörspiel nach Leon de Winter
Bearbeitung: Heinz Sommer

Regie: Leonhard Koppelmann - hier im Gespräch mit Peter Fricke
Bild: HR/Benjamin Knabe

Musik: Henrik Albrecht
hr 2010
263 Min.




Leo Kaplan: Axel Milberg
Bild: HR/Benjamin Knabe

Erzähler: Peter Fricke
Bild: HR/Benjamin Knabe

Erzählerin: Hannelore Elsner
Bild: HR/Benjamin Knabe

Ellen Jonker de Waal: Stephanie Eidt
Hannah d'Oliveira-Kaplan: Maria Schrader
Paula Veltmanns: Valery Tscheplanowa
Frank Jonker: Jan-Gregor Kremp
Mauritz Jonker: Lorenz Klee
Isolde: Laura Maire

Moses Kaplan: Michael Habeck
Bild: HR/Benjamin Knabe

Anna Kaplan: Rosemarie Fendel
Bild: HR/Benjamin Knabe

Lucie: Franziska Junge
Dino: Roberto Cappelluti
Rita: Henrike Jörissen
Jakub Levi: Ernst-August Schepmann
Ärztin: Yvette Fatsawo
Taxifahrer: Slaheddine Ben Saad
Jaap: Martin Reinke
Peter: Steven Fischer
Jonneke: Anna Kretschmer
Henk: Marios Gavrilis
Anwalt: Volkert Kraeft
u.a.


Bilder: HR/Benjamin Knabe


Leo Kaplan ist auf dem Weg von einem Rendezvous mit Jonneke, seiner letzten Affäre, zu einem Abendessen mit seiner Frau Hannah. Mit schlechtem Gewissen wartet er im Regen an einer Haltestelle, entschlossen, die Affäre zu beenden. Ein betrunkener Radfahrer kommt vorbei. Es ist Henk, der Freund von Jonneke …

Leo Kaplan, der Schriftsteller, ist auf der Suche nach der einzigen, der wahren, ewigen Liebe – und nach sich selbst. Seine Kreativität ist ihm abhanden gekommen, ebenso wie seine Ehefrau. Er steht kurz vor dem Erbe eines Millionenvermögens – doch was er damit machen soll, ist ihm nicht recht klar.
 
Obwohl er die vierzig fast erreicht hat, weiß er immer noch nicht, wer er ist. Ein Jude, der es nicht mag, wenn ihn andere Jude nennen? Ein Schriftsteller, der nicht mehr schreiben kann? Ein Connaisseur, der die Folgen des Genusses nicht akzeptieren will? Nur eines scheint sicher zu sein: Kaplan ist ein Ungläubiger, der immer wieder feststellen muss, wie das Schicksal in sein Leben eingreift, ein Skeptiker und Zyniker, der den Frieden mit der Religion seiner Väter sucht. Seine Reise durch die Welt, die Suche nach sich selbst und seiner großen Liebe, führt ihn schließlich zu seinen Ursprüngen zurück.

Leo Kaplan thematisiert die Liebe in ihren unterschiedlichsten Erscheinungsformen: von der Kinderliebe bis zum Mord aus enttäuschter Liebe, von wahrer Affenliebe bis hin zu den großen Gefühlen. Um diese Geschichte von Leo Kaplan und seinen Frauen - Hannah, die Ehefrau, die junge Studentin Paula und Ellen, seine große Jugendliebe - rankt sich eine Vielzahl von Miniaturen, die jede für sich wieder eine andere Spielart der Liebe und Beziehung spiegelt.


Bemerkungen:

In "Leo Kaplan" zeichnet Leon de Winter viele unterschiedliche Formen der Liebe nach. Dabei spielt sein Protagonist mal mehr, mal weniger, mal gar keine Rolle. Dennoch verknüpft sich die Geschichte sehr gut und wirkt nicht im Mindesten in einzelne Stränge zerpflückt. Die Handlung baut schlüssig aufeinander auf, dabei ist die Chronologie gar nicht durchgängig, sondern man greift immer mal wieder zurück in die Vergangenheit. Es ist die inhaltliche Logik, nach der "Leo Kaplan" erzählt wird.

Die emotionale Bandbreite ist ziemlich ausgeprägt, es ist mal heiter, mal besinnlich, mal melancholisch, mal spröde. Gerade diese Abwechslung und die Glaubwürdigkeit, mit der die Extreme vorgetragen werden, macht einen Großteil der Faszination des Hörspiels aus.

Heinz Sommer hat den Roman fürs Hörspiel bearbeitet und man spürt die Begeisterung, mit der er bei diesem Stoff am Werke war, deutlich. Es gelingt ihm, die Roman gut zu transportieren, so dass auch hier von der Vorlage mehr als der Plot bleibt.

Auch die Produktion an sich überzeugt. Leonhard Koppelmann lässt hier ein großartiges Ensemble agieren. Er teilt die Erzähleranteile auf Peter Fricke und Hannelore Elsner auf, was hier auch zur Trennung der einzelnen Passagen ein guter Weg ist. Die Titelrolle spielt mit Axel Milberg, ebenfalls ein wundervoller Sprecher, der der Titelfigur schon stark seinen Stempel aufdrückt. Es gelingt ihm, den Autoren Kaplan mit viel Leben zu füllen und den vielschichtigen Emotionen Ausdruck zu verleihen.

Die Musik stammt von Henrik Albrecht, dem es auch hier wieder gelingt, sehr auf die Handlung abgestimmte Kompositionen zu schaffen. Sie haben einen sehr großen Einfluss darauf, wie leicht es ist, sich von dieser Geschichte gefangen nehmen zu lassen und in die Welt Leon Kaplans abzutauchen.


Ein großartiges Werk über die Liebe, das frei von Kitsch und aufgesetzten Sentimentalitäten geschrieben ist. Mit der Hörspielumsetzung ist dem Team eine sehr adäquate Produktion gelungen, aus der man gar nicht mehr aussteigen mag. Großartig!

Meine Wertung: + + + + +
 
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