| Leutnant Gustl von Arthur Schnitzler Hörspielfassung und Regie: Raoul Wolfgang Schnell BR 1976 67 Min. Leutnant Gustl: Herbert Rhom Bäckermeister: Karl Maldek Doktor: Josef Schwarz Steffi: Lisi Mangold Kellner: Alexander Malachovsky Leutnant Gustl gerät nach einem Konzert im Gedränge vor der Garderobe an einen ihm bekannten Bäckermeister, der ihn in der Folge eines kleinen Streits um den Vortritt als «dummen Bub» bezeichnet. Gustl ist in seiner Ehre verletzt. Aber der soziale Unterschied verwehrt ihm Satisfaktion, denn mit einem Bäckermeister kann man sich als Offizier nicht duellieren. Es bleibt nur noch der Selbstmord. Er irrt durch die Nacht, seine letzte Nacht. Schliesslich schläft er auf einer Parkbank ein. Am Morgen geht er in ein Café, nimmt sein letztes Frühstück ein und - vernimmt vom plötzlichen Tod des Bäckermeisters, der also die schmachvolle Ehrverletzung mit in sein Grab nimmt. Gustl kann weiterleben. Zwei grosse Wiener Juden haben der österreichischen Gesellschaft um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert auf den Zahn gefühlt. Siegmund Freud tat es mit den Methoden seiner Psychologie, Arthur Schnitzler mit literarischen Verfahren, und beide haben sie an Tabus gerührt. Der Dichter griff mit seinem Drama «Der Reigen» von 1896/97 die offizielle Sexualmoral an und mit der Novelle «Leutnant Gustl» von 1900 den Ehrenkodex des k. u. k. Korps, das auf die Veröffentlichung des Textes harsch reagierte und ihm den Offiziersstand aberkannte. Arthur Schnitzler, geboren 1862 in Wien, bestand die Matura mit Auszeichnung und studierte Medizin. Nach seiner Promotion 1885 arbeitete er als Assistenzarzt, unter anderem auch bei seinem Vater, der Laryngologe in der Wiener Poliklinik war. Nach dessen Tod 1893 eröffnete er eine Privatpraxis, widmete sich dann aber, ermutigt von seiner damaligen Geliebten, der Schauspielerin Adele Sandrock, zunehmend der Schriftstellerei. Mit seinen Dramen und Novellen wurde er bald zu einem Exponenten des «Jungen Wien», und zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehörte er zu den meist gespielten Dramatikern deutscher Sprache. Mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde es stiller um ihn, denn er beteiligte sich nicht an der allgemeinen, auch unter Intellektuellen Mode gewordenen Kriegstreiberei. Seine Ehe mit der Schauspielerin Olga Gussmann ging 1921 in Brüche, von da an sorgt er als alleinerziehender Vater für seine beiden Kinder. Der Freitod der Tochter Lili im Jahr 1928 erschütterte ihn zutiefst. Arthur Schnitzler starb am 21. Oktober 1931 in Wien an einer Hirnblutung. |
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