LoveArtLab Rules

von Mithu Sanyal
Regie: Ulrich Bassenge
WDR 2010
53 Min.


Darth Vader/Blofeld/Orakel: Michael Habeck
Professor Moriarty: Donald Arthur
Joseph Goebbels: Wolfgang Pregler
Babelfisch: Caroline Ebner
Annie Sprinkle: Kathrin Ackermann-Furtwaengler
Beth Stevens: Sabine Kastius
Harry Potter: Tim Schwarzmaier
Mutterrr/Kassiererin/der Teufel: Stephanie Kellner
Tessa Wills/Lautsprecher/Vanessa: Jule Ronstedt
Sekretär/Uri/Dixon: Tobias Schormann
Rezeptionistin/Amber: Katharina Halus
Agent/J. Bond: Jonas Martin Schmid


Was passiert, wenn sich eine ehemalige Pornoqueen und nun Performance-Künstlerin in eine Professorin für bildende Kunst verliebt? Sie gründen das LoveArtLab(oratory), in dem sie die Liebe als Kunstform erforschen, herstellen und verbreiten. Als Auftakt geben Annie Sprinkle und Elizabeth Stephens einander das Ja-Wort in einer interaktiven Multi-Media-Hochzeit, was die Alarmglocke in der Zentrale auslöst, dem Hauptquartier der Superbösewichte. Doch die Strategie, gleichgeschlechtliche Ehen einfach zu verbieten, führt nur dazu, dass Sprinkle und Stephens in einem auf sieben Jahre angelegten Kunstprojekt nun ständig heiraten. Die Bösewichte Blofeld, Professor Moriarty, Darth Vader, Göbbels und - überraschender Weise - Harry Potter rüsten zum Gegenschlag: hate against love!

Mithu Sanyal, geboren 1971, promovierte Kulturwissenschaftlerin, arbeitet als Autorin für Print und Radio. 2009 veröffentlichte sie ihre vielbeachtete "Kulturgeschichte der Vulva - die Enthüllung des unsichtbaren Geschlechts".


Bemerkungen:

"LoveArtLab Rules" ist ein wunderbar skurriles Hörspiel das dem realen Kunstprojekt von Annie Sprinkle und Elizabeth Stephens einen fiktiven Gegenpart entgegensetzt, der aus einer illustren Truppe von Bösewichtern besteht. Die Idee und die interessanten Charaktere mitsamt sehr passenden Dialogen sind wirklich hörenswert. Allein der Plot selbst kann da nicht ganz mithalten. Das schadet dem Unterhaltungswert allerdings kaum. Allein der gelungene Rahmen ist so vergnüglich, dass man hier ohnehin nicht die große Geschichte dahinter  vermissen dürfte. Neben der interessanten realen Geschichte, nimmt Mithu Sanyal auch Anleihen u. a. bei Douglas Adams. Statt heimlich zu kopieren, geht sie ganz offensiv damit um und nimmt gleich ganze Elemente - wie den Babelfisch - nebst Quellenhinweis mit ins Skript hinein.

Für die Umsetzung zeichnet Ulrich Bassenge verantwortlich, der auch hier wieder alle Register zieht, das Stück stimmig hörbar werden zu lassen. Zum einen kann er sich da auf ein großartiges Ensemble verlassen, das die merkwürdigsten Charaktere verkörpern muss. Das funktioniert großartig, ohne dass man hier zu sehr in eine perfekte Parodie verfällt, sondern sich nur leicht am Original anlehnt.  Bei den Schauspielern wird auch die große Spielfreude hörbar, die den interessanten Rollen und Dialogen geschuldet sein dürfte.

Originell und unterhaltsam - für Freunde skurriler Comedy dürfte diese Produktion, die sich irgendwo zwischen Jörg Buttgereit, Eugen Egner und Douglas Adams wiederfindet, eine lohnenswerte Radiostunde sein.

Meine Wertung: + + + +




Zur Startseite