Ludwigshöhe

Hörspiel in zwei Teilen von Hans Pleschinski

Hörspielbearbeitung und Regie: Irene Schuck
NDR 2011
145 Min.




Mit Ulrich Noethen, Jens Wawrczeck, Inga Busch, Tanja Schleiff, Hedi Kriegeskotte, Jens Harzer, Joachim Bliese, Imogen Kogge, Wolfgang Pregler, Astrid Meyerfeldt, Angela Schmid, Uwe Friedrichsen, Stefan Haschke, Marlen Diekhoff, Friedhelm Ptok, Brigitte Janner, Olaf Kreutzenbeck, Thore Kühl
 

Die drei Geschwister Berg - Clarissa, Monika und Ulrich - machen ein vertracktes Erbe. Ihr Onkel Robert hat sie sie mit gewaltigen Vermögenswerten bedacht, allem voran mit einer Villa am Starnberger See. Auf einen Schlag wären alle drei ihre Existenzsorgen los. Aber im Testament gibt es eine Klausel: Sie müssen dieses Haus als Hospiz für Lebensmüde betreiben und ihnen dabei helfen, ihren Wunsch auch in die Tat umzusetzen.

Voller Skrupel und Ängste, aber auch scharf auf das Erbe öffnen die Geschwister die Villa an der Ludwigshöhe für eine stetig wachsende Zahl von "Finalisten". Darunter sind eine verzweifelte Verkäuferin neben einem Bühnenbildner, eine ausgebrannte Lehrerin neben einer vereinsamten Schauspielerin, eine liebeskranke Domina, aber auch eine erst 17jährige "Immanitin", die Angst hat, Opfer eines Ehrenmords zu werden. Doch bald machen die potentiellen Selbstmörder fast gar keine Anstalten mehr, ihrem dunklen Drang zu folgen. Die alte Villa erlebt ein Fest des Lebens, der kuriosen Beziehungen, Gespräche, Annäherungen und Abstoßungen, neuer Liebe und Lebensmutes.




Hans Pleschinski, 1956 in Celle geboren, veröffentlichte zahlreiche Romane, unter anderem "Ostsucht" (München 1993) und "Leichtes Licht" (München 2005). 2008 erschien der Roman "Ludwigshöhe",  für den er 2008  den "Nicolas-Born-Preis des Landes Niedersachsen" erhielt. Weitere  Auszeichnungen: "Hannelore - Greve - Literaturpreis" (2006), Writer in Residence, Miami University, Oxford, Ohio (2008). Der Autor lebt als freier Schriftsteller in München.



Bemerkungen:

Pleschinskis Roman funktioniert als Hörspiel wunderbar, da man diesem auch den nötigen Raum lässt. Mehr als 2 Radiostunden gönnt man dieser Geschichte und dem Hörer. Denn hier bekommt man eine sehr humorvolle, sehr hintergründige und auch bitterböse Episode erzählt. Sie lebt von der Diskrepanz zwischen der Ernsthaftigkeit des Grundthemas Suizid und dem Humor, den der Umgang der merkwürdigen Figuren miteinander, entwickelt.

Da sind auf der einen Seite drei Erben, die eine Erbschaft nur unter der Auflage erhalten, ein Jahr lang ein Selbstmordhospiz zu betreiben. Sie versuchen, die Situation möglichst unkompliziert, aufwandsfrei und schnell zu erledigen - Auf der anderen Seite die potentiellen Opfer, die in diesem unwirtlichen Ort nach und nach neuen Lebensmut erfassen.

Pleschinskis gut gelungenes Figurenkabinett, das in bunt gewürfelten Klischees viele Parallelen zur Realität aufweist, funktioniert dank der gelungenen Besetzung tadellos.

"Ludwigshöhe" ist ein sehr empfehlenswertes Hörspiel, das hart an der Höchstwertung kratzt.


Meine Wertung: + + + +

 
Zur Startseite