Madame Bovary

von Gustave Flaubert

Bearbeitung: Valerie Stiegele
Komposition: Michael Riessler
Regie: Christiane Ohaus
265 Min.


 


Erzähler: Friedhelm Ptok
Emma Bovary: Chris Pichler
Charles Bovary: Bernhard Schütz
Charles als Junge: Ilja Roßbander
Vater Bovary: Dietmar Mues
Mutter Bovary: Angela Schmid
Lehrer: Dieter Hufschmidt
Héloise: Erika Skrotzki
Vater Rouault: Peter Franke
Homais: Wolf-Dietrich Sprenger
Léon: Samuel Weiss
Rodolphe: Thomas Sarbacher
Lheureux: Rolf Hoppe
Abbé Bornisien: Hans Teuscher
Präfekt: Dietrich Mattausch
Amme: Verena Reichardt
Félicité: Susanne Schrader
Straßensänger: Gaston Michel

Klarinette: Michael Riessler
1. Geige: Geoffrey Wharton
2. Geige: Ulrike Stortz
Bratsche: Vincent Royer
Cello: Scott Roller


Emma ist die Tochter eines Landwirtes und wächst in einem Kloster auf. Der junge Landarzte Charles Bovary macht ihr den Hof. Als er die junge Emma heiratet, ist sie noch voller romantischer Träume. Doch schnell wird sie enttäuscht von der Tristesse des Landlebens und des Alltages. Lebens- und Liebeshungrig stürzt sie sich in Affären, so wie sie sie in den Romanen, die sie verschlingt vorgelebt bekommt.


Bemerkungen:

Gustave Flaubert erzählte vom Leben der Emma Bovary und betrat damit moralisches und stilistisches Neuland. Er macht seine, für die damalige Zeit unglaublich lasterhafte, Protagonistin nicht zur strahlenden Heldin, sondern berichtet aus einer gewissen Distanz heraus, recht nüchtern von ihrem Schicksal.

Emma hat eine romantische Vorstellung vom Leben, die mit der Wirklichkeit in der französichen Provinz nicht viel zu tun hat. Sie versucht aus dieser Tristesse auszubrechen und hat damit allerdings kaum Erfolg, so dass es schließlich zu einem fatalen Finale kommt.

Der Plot ist aus heutiger Sicht natürlich weniger aufsehenerregend, aber Flauberts packende Erzählweise, die besondere Dramatik, die dieser Geschichte innewohnt, schafft es auch in dieser Hörspielumsetzung, zu fesseln. Obwohl diese Produktion mit mehr als vier Stunden Spieldauer recht umfangreich ist, vergeht die Zeit wie im Fluge. Es gelingt hier sehr gut, den Hörer für das Schicksal Emma Bovarys zu begeistern.

Diesbezüglich ist zunächst Valerie Stiegeles Bearbeitung zu loben. Ihr gelingt ein Skript, das mit großer Erzählerlastigkeit die Vorlage sehr gut transportieren kann. Diese fast szenische Lesung rafft die Handlung recht gut, da damit nur wenig Informationen in die Dialoge gepackt werden muss und diese daher recht glaubwürdig klingen.

Mit Friedhelm Ptok hat man dazu auch einen erstklassigen Sprecher für diese Rolle gefunden. Aber auch die handelnden Figuren wurden sehr gut besetzt. Mit Chris Pichler hat man auch für die Titelrolle eine sehr erfahrene Sprecherin verpflichten können, die die Emma Bovary in ihren Facetten gut darzustellen vermag.

Ein Highlight dieser Produktion ist die musikalische Untermalung, die sehr stimmig auf die Handlungspassagen und die Gefühlswelt der Emma Bovary komponiert und arrangiert wurde.


"Madame Bovary" ist ein Hörspiel, das mich durchaus überrascht hat. Wer hier einen staubigen Klassiker erwartet, wird eines Besseren belehrt, die Geschichte packt den Hörer recht schnell und lässt ihn bis zum Ende nicht wieder los. Auch die Inszenierung überzeugt, so dass man hier von einer rundum gelungenen und damit empfehlenswerten Produktion sprechen kann.

Meine Wertung: + + + + +
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