| Making of Hermann Eine Denkmalsschlacht Hörspiel von Patricia Görg Musik: Harald Sack Ziegler Regie: Iris Drögekamp SWR 2009 52 Min. Ernst von Bandel: Dieter Mann Bleigießerin: Rosemarie Fendel Zeitschuh: Hans-Peter Korff Stimme aus der Vergangenheit: Berthold Toetzke Geschichtswichte: Walter Renneisen, Jens Wawrczeck, Michael Tregor ![]() Walter Renneisen, Jens Wawrczeck, Michael Tregor als Geschichtswichte Bild: SWR/Monika Maier Auch wenn neuere Forschungen die klassischen Ansichten über Ort und Zeit der Varusschlacht, die die römischen Legionen von der vollständigen Eroberung Germaniens abhielt, ins Wanken gebracht haben, so wurde doch das Jahr 2009 bei passenden Gelegenheiten als Zweitausendjahres-Jubiläum des Sieges der Germanen und ihres Anführers Hermann gefeiert. Was 9 n. Chr. nach dem römischen Geschichtsschreiber Tacitus im Teutoburger Wald geschah, erschien der deutschen Nationalbewegung des frühen 19. Jahrhunderts illusorischerweise als einigender Beginn der deutschen Geschichte und bietet seitdem ein Feld für allerlei Projektionen. Die Nationalbewegung selbst entstand, während Napoleons Truppen Europa durchzogen und unterwarfen wie ehedem die römischen; wer in dem in widerstreitende Kleinstaaten zerfallenden alten deutschen Reich lebte, konnte allenfalls in preußischen Befreiungskriegen Gegenkräfte erkennen, die Napoleon etwas entgegenzusetzen hatten, das der Tat des Cheruskerfürsten Hermann ebenbürtig schien, der zu einem »politischen Leitmythos« (Herfried Münkler) wurde. In den Vorstellungen dieser Zeit wuchs der aus Franken stammende Bildhauer Ernst von Bandel (1800-1876) auf, der all seine Kräfte und organisatorischen Energien daran setzte, Hermann ein Denkmal zu errichten. 1838 hatte er den Platz gefunden und konnte den Grundstein legen – auf der Grotenburg, einer Erhebung des Teutoburger Waldes im damaligen Fürstentum Lippe-Detmold. Es sollte ein »Ehrenmal« des ganzen deutschen Volkes werden, aus dem die Spenden für den Bau kamen. Der neue Reichstag des 1871 geeinten neuen Reiches bewilligte 10.000 Reichstaler Zuschuss. Krupp lieferte das 7 Meter lange Schwert, das der gen Westen gewendete kupferne Hermann in die Höhe reckt. 1875 wurde das über 53 Meter hohe Denkmal eingeweiht – der Kaiser, der Kronprinz, der Reichskanzler Bismarck und die deutschen Fürsten waren die Ehrengäste beim Festzug von Zehntausenden. Was aus der Nationalbewegung im neuen imperialen Deutschland wurde, hat Ernst von Bandel, der im folgenden Jahr starb, nicht mehr erlebt. »Jetzt stellen Sie sich mal vor: Sie stehen mit einer Schmiedeschürze am Vulkan des 19. Jahrhunderts, entringen ihm dieses Riesenmaskottchen.« (Patricia Görg) Patricia Görg geboren 1960 in Frankfurt am Main, lebt als freie Autorin in Berlin. Sie studierte Theaterwissenschaft, Soziologie und Psychologie in Berlin. 1999 Telekom-Stipendium beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb. Sie hat Essays für Zeitungen und das Radio geschrieben und mehrere Bände Erzählprosa veröffentlicht: »Glücksspagat« (2000), »Meer der Ruhe« (2003), »Tote Bekannte« (2005), »Meier mit Y« (2008). Zahlreiche Hörspiele. Bemerkungen: Das Hörspiel zum Denkmal. Patricia Görg hat sich anlässlich des 2000. Jahrestages der Varusschlacht, dem Denkmal des Arminius im Teutoburger Wald gewidmet. Mit sehr viel Augenzwinkern und seltsamen Kniffen in der Geschichte erzählt sie vom Erbauer, Ernst von Bandel, und begleitet diesen von der ersten Idee, über die Erbauung bis zur Vollendung des Denkmals und schließlich auch zum Tod von Bandels. Gerade die Diskrepanz zwischen verblendeter Heldenverehrung bei Bandel auf der einen Seite und der historisch nüchternen Betrachtung auf der anderen durch die Figur Zeitschuh, wird hier originell dargestellt. Recht vergnüglich sind auch die Geschichtswichte, zum einen im Hinblick auf deren exzellente Besetzung, zum anderen dadurch, dass hier die gestandenen Sprecher weitestgehend zum Singen verpflichtet sind und passenderweise stets "Als die Römer frech geworden" intonieren müssen. So originell die einzelnen Elemente für sich genommen sind, die Mischung ist dann doch ein wenig zu verkünstelt geraten. Man kann zwar dem Plot gut folgen, allderings nerven die dramaturgischen Auswüchse schon ein wenig. Auch hier wäre es kein Fehler gewesen, wenn man etwas gefälliger erzählt hätte. Die Umsetzung folgt dem Skript recht gut. Mit viel stimmiger Musik wird die Geschichte recht unterhaltsam dargeboten. Gute Leistungen kann man dem Ensemble attestieren, die Rollen sind nicht nur gut besetzt, die Schauspieler werden diesen auch durchaus gerecht. Es ist ein wenig schade - das Hörspiel bietet viel Informatives und Unterhaltsames, kann jedoch letztlich in seiner Gesamtheit nicht wirklich überzeugen. Vieles wirkt einfach zu aufgesetzt, zu gewollt, so dass es für einige Hörer wahrscheinlich zu skurril ist, um zu gefallen. Meine Wertung: + |
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