Margarethe Minde
von Peter Huchel


Komposition: Peter Zwetkoff
Regie: Ulrich Gerhardt
Ton: Dietmar Hagen; Steffen Brosig

MDR/DLR 1995
71 Min.

Mitwirkende:
Annette Zielenbach - Grete Minde
Christoph Zapatka - Merten, ein Scholar
Dieter Mann - Heinrich von Minde
Gustl Halenke - Frau von Minde
Hilmar Eichhorn - Tonnies, ein Räuber
Ernst Jacobi - Der Fährmann
Ernst Jacobi - Der Henker
Wolfgang Hinze - Helmreich
Klaus Piontek - Bürgermeister
Siegfied Worch - Ein Ratsherr
Käte Jaenicke - Eine Magd
Reiner Heise - Ein Reiter
Wolfgang Winkler - Bross, ein Räuber
Matthias Brenner - Horneburg, ein Räuber
Jürgen Maurer - Balbierer, ein Räuber
Stadtsoldaten der Stadt Tangermünde u. v. a. Bürger


Nach langem Weg zu Fuß, von Innsbruck bis Tangermünde, tritt Grete Minde vor den Bruder ihres Vaters und verlangt die Herausgabe ihres Erbteils. Doch das ist längst dahin. Der ehrbare Ratsherr Heinrich von Minde sieht seine Existenz auf dem Spiel stehen. Nachts, als Grete schläft, kramt er das Testament aus ihrem Bündel und verbrennt es. Tags drauf schwört er vor der Ratsversammlung, es nie gesehen zu haben. Gretes Anspruch wird abgewiesen. In der Not tut sie sich mit dem Wegelagerer Tonnies Meilahn und seinen Kumpanen zusammen. Ein Erpressungsversuch schlägt fehl. Nur ohnmächtige Rache bleibt übrig, am 13. September 1617 legen sie Feuer. Tangermünde wird vollständig verwüstet. Der Prozess gegen die Brandstifterin bringt zwar die Schuld des Ratsherrn zu Tage, doch Grete Minde wird zum Tode verurteilt und verbrannt. Fontanes in vieler Hinsicht frei fabulierte Novelle "Grete Minde" (1879) hat den Fall weithin berühmt gemacht. Peter Huchel, der mit seiner dramatischen Ballade fürs Radio ein halbes Jahrhundert später den Stoff wieder aufgreift, hält sich enger an die inzwischen publizierten Prozessakten. Am 22. Juni 1939 erlebte das Hörspiel beim Reichssender Leipzig seine erste und bis zur MDR-Produktion 1995 einzige Sendung.


Peter Huchel, 1903 in Lichterfelde geboren, studierte Literatur und Philosophie. Veröffentlichte seit 1924 Gedichte. Nach dem Krieg bis 1948 künstlerischer Direktor des Berliner Rundfunks (Ost), von 1948 bis 1962 Chefredakteur von "Sinn und Form", der wichtigsten DDR-Literaturzeitschrift. Verlor dieses Amt wegen angeblicher Tendenzen "ideologischer Koexistenz", erhielt Publikationsverbot und erreichte 1971 seine Ausreise. Lebte danach in Italien und Staufen i. Brsg., wo er 1981 starb. Während des dritten Reiches mehrere Hörspiele, u. a. "Margarethe Minde" (1935). Berühmt wurde er jedoch durch sein bedeutendes lyrisches Werk, zuletzt "Die Sternenreuse" (1967), "Gezählte Tage" (1972), "Die neunte Stunde" (1977).



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