Marlov ­ - Rumänische Rhapsodie
  Autor: David Zane Mairowitz
  Produktion: WDR 2008
  Regie: Jörg Schlüter
  Länge: 55 Min.
 

Mitwirkende:

Udo Schenk, Hüseyin Michael Cirpici, Maya Schöne, Horst Mendroch u. a.

Inhalt:

Yevgeny Marlov, von der sowjetischen Obrigkeit im Moskau der 1950er-Jahre geduldeter, aber wenig geliebter Privatdetektiv, erhält einen Auftrag von Nikita Chruschtschow. In Bukarest, bei den "befreundeten sozialistischen Nachbarn", muss ein seltsamer Banküberfall aufgeklärt werden. Fünf Männer und eine Frau haben einen Lieferwagen ausgeraubt, der 1,5 Millionen Lei zur ungarischen Zentralbank transportieren sollte. Marlov hat seine Zweifel, denn für den Raub werden sehr bald jüdische Intellektuelle verantwortlich gemacht. Nikita Chruschtschow wittert Gefahr - denn der spätere Diktator Ceausescu greift bereits nach der Macht.
Im dritten seiner Marlov-Krimis erinnert David Zane Mairowitz an eine wenig bekannte Episode aus der jüngeren Geschichte Rumäniens. Denn tatsächlich wurde 1959 in Bukarest ein Bankraub inszeniert und der sogenannten "Ionaid"-Bande untergeschoben - einer der umstrittensten politischen Fälle der kommunistischen Ära.

David Zane Mairowitz, 1943 in New York geboren, lebt seit 1966 in Europa als freier Schriftsteller, heute in Avignon und Berlin. Neben journalistischen Arbeiten entstehen Kurzgeschichten, Bühnenstücke und Hörspiele, für die er mehrere Preise erhielt, u. a. 1996 den Prix Ostankino in Moskau für "Planet aus Asche" oder 1997 den Prix Italia für "Der wollüstige Tango.

Bemerkungen:

Der dritte Teil der Marlov-Krimis ist der bislang gefälligste. Die Story ist - wie immer -  bitterböse, aber hat eine geradere Linie als die Vorgänger, was das Zuhören deutlich entspannter macht. Die Geschichte ist erneut an tatsächliche Ereignisse angelehnt. Leider ist die Kombination zwischen realem Geschehen und dem Einsatz Marlovs etwas konstruiert, was ein klein wenig den Hörgenuss schmälert.  Dennoch genügt der Rest um ein erschreckend faszinierendes Hörspiel zu gestalten.

Udo Schenk tritt wieder in der Titelrolle an, die hier ein wenig zu heiter angelegt ist. Die zum Teil sehr saloppen Sprüche passen nicht immer ins Bild und erinnern etwas zu sehr an das amerikanische Vorbild, als es tatsächlich nötig wäre. Schenks Leistung an sich ist jedoch nicht zu beanstanden, die ist ebenso korrekt, wie die der sehr guten restlichen Sprecherriege.

Die Umsetzung schafft es mit einer sehr klischeehaften musikalischen Untermalung den Hörer in die Szenerie zu versetzen. Es gelingt allerdings nur räumlich. Die zeitliche Einordnung unterdessen ergibt sich nur aus dem Text und den auftretenden Figuren, wird aber klanglich nicht dargestellt.

Marlov ist schon eine sehr originelle und durchdachte Hörspielreihe. Leider hat diese Folge ein paar kleine Unschönheiten, die zum Glück nur wenig am Lack der Produktion kratzen; die gute Geschichte lässt diese schnell vergessen machen.

 

 

Meine Wertung: + + +

 

 

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