Mein Vater war Siebenbürger

Von Wolfgang Martin Roth.

Regie: Götz Fritsch

ORF 2007
60 Min.


Mit Michael König, Franz Kattesch, Christiane von Poelnitz, Erika Fritsch, Maria Urban, Markus Hering, Christoph Theiler u. v. a.


In der Wohnung roch es nach "Klausenburger Kraut", man las das "Licht der Heimat" und besuchte regelmäßig die Heimattreffen der Siebenbürger Sachsen. Schon als Junge musste der kleine Erwin seinem Vater versprechen, dass er sein "Siebenbürger Blut nie zu Wasser werden lässt".

Aber genaugenommen versteht Erwin nicht, weshalb er ein Siebenbürger Sachse sein soll. Schließlich ist er nicht in Rumänien, sondern in Göttingen geboren. Und mit all dem landsmannschaftlichen Getue hat er sowieso nichts am Hut ...

In seinem Hörspiel "Mein Vater war Siebenbürger" reflektiert der Schriftsteller und Psychotherapeut Wolfgang Martin Roth seinen eigenen biografischen Hintergrund. Es geht um die Konfrontation mit der jüngeren Geschichte der Siebenbürger Sachsen, die sich als Opfer des Dritten Reiches verstehen und ihren eigenen Anteil an den Verbrechen des Nationalsozialismus nicht wahrhaben wollen.



Bemerkungen:

Der Autor erzählt von seiner Kindheit in einer siebenbürgischen Familie. Nach der Vertreibung ist diese in Göttingen gelandet, pflegt aber die gewohnten Traditionen. Als Jugendlicher kann Wolfgangn Martin Roth das nur bedingt nachvollziehen, wächst zwar damit auf, steigt aber nicht zu tief ein. Er lernt die Sprache nicht, bzw. nicht richtig und hat auch ansonsten nur wenig Interesse an den Bräuchen und Riten des Volksstammes. Dennoch bemüht er sich, das Versprechen, das er seinem Vater gegeben hat, das Siebenbürgische hochzuhalten, einzulösen. Letztlich muss er sich aber eingestehen, dass es misslingt. Das Hörspiel scheint hier ein kleiner Schritt der Wiedergutmachung.

Roth erzählt nicht nur aus seiner Familie, sondern blickt auch auf die Situation der Siebenbürger insgesamt. Sein Blick ist dabei nicht verklärt, sondern auch kritisch. So beleuchtet er übereifrigen Traditionalismus ebenso wie die Täterschaften im Dritten Reich.

Damit wird dieses Hörspiel, auch über die bloße Familiengeschichte hinaus, interessant.

Das Stück wird hauptsächlich in Erzählpassagen dargestellt und nur mit kurzen Spielszenen aufgelockert. Insofern stellt man formal den Hörspielfan nur wenig zufrieden.

Meine Wertung: + +


 
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