| Mittlere Aufrüstung von Andreas Renoldner Regie: Hans Helge Ott RB/MDR 2004 41 Min. Otto: Peter Kaempfe Jens: Jasper Vogt Bärbel: Svenja Pages Zustellerin: Susanne Schrader Moderatorin: Anne Moll Sprecher der Nachrichten: Holger Postler Stimme des Sozialamts: Ingeborg Kallweit Stimme der Sozialmenüausgabe: Daniela Sadri Eisverkäufer: Dirk Böhling Ein Zukunftsszenario: Die Menschheit hat sich total vernetzt und verkabelt. Die Augen funktionieren als Bildschirm, an Körpern montierte Schnittstellen sind an das große Netz angeschlossen - jeder ist Sender und Empfänger und in ununterbrochener Interaktion. Otto, ein arbeitsloser Schlosser, der von Sozialhilfe lebt, hat sich eine "mittlere Aufrüstung" mit Infrarotkamera spendiert. Und nun wird er permanent von der Frauenstimme des Sozialamtes terrorisiert; Anfragen, Werbungen, der Staat und viele andere User machen sich ständig bei ihm bemerkbar. Unentwegt streitet und kämpft Otto mit den Stimmen in seinem Kopf, lethargisch liegt er auf dem Sofa und spaziert durch virtuelle Welten. Nur Resi, seine Frau, verdient noch Geld, sie geht ganz altmodisch putzen. Während die vernetzten Menschen kaum noch ihre Wohnungen verlassen, kehrt die Natur zurück in die verwaisten Städte. Es wimmelt in den Straßen von Hasen, Igeln, Rehen und Füchsen. Otto und sein Kumpel Ferdl machen sich eines Nachts auf zur Hasenjagd, und tatsächlich gelingt es ihnen, einige Prachtexemplare ins Netz zu treiben. Doch als sie zugreifen wollen, sind die Hasen nur als virtuelles Bild vorhanden, entpuppen sich als reine Simulation. Vielleicht ist nichts mehr real, nicht einmal das Bier in den Dosen? Andreas Renoldner, 1957 in Linz geboren, studierte in Wien und arbeitete daneben als Koch. Seit 1988 ist er freischaffender Schriftsteller. Renoldner veröffentlichte bisher acht Romane und zahlreiche Hörspiele. Bemerkungen: Die Zukunftsvision, die Renoldner hier zeichnet, ist zwar im Grundsatz düster - der Humor, mit der sie dargestellt wird, bildet dazu aber einen interessanten Gegenpart und macht dieses Hörspiel zu einer guten Satire auf unsere heutige technische Hörigkeit. Davon ausgehend, spinnt Renoldner die Fäden eigentlich nur konsequent weiter. Ihm gelingt die tragisch komische Figur des "Otto" - die allerdings auf hervorragend von Peter Kaempfe gespielt wird - sehr gut; diese ist in einem Teufelskreis gefangen, denn einerseits will Otto Up-to-date sein, um sich beispielsweise alle Chancen am Arbeitsmarkt zu erhalten, andererseits bringen ihn die neuen technischen Finessen über die Grenzen seiner finanziellen Möglichkeiten und an den Rand des Beziehungsaus. Trotz recht kurzer Spielzeit nutzen sich allerdings einige Pointen etwas ab, hin und wieder tritt die Geschichte etwas auf der Stelle. Aber die Wende gelingt, und gegen Ende kann man das Stück auch noch mit der originellen Sequenz zur Realtitätsfrage überzeugen. "Mittlere Aufrüstung" ist ein hörenswertes Hörspiel, das mit einem konsequent, aber amüsant gesponnenem Zukunftsszenario überzeugen kann. Kleinere Abnutzungserscheinungen kann man da verschmerzen. Meine Wertung: + + + |
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