Mobil

Von Sergi Belbel
Komposition: Marco Nola
Regie: Gottfried von Einem
mdr 2008
55 Min.


Claudia: Hedi Kriegeskotte
Sara: Marion Breckwoldt
Rosa: Stephanie Schönfeld
Jan: Christoph Franken
Telefonstimme 1:Beatrix Hermens
Sonia: Christina Weidemann


Alle Welt ist mobil. Außer Sara. Sie ist Mitte fünfzig, hasst Handys, Flugzeuge und Reisen überhaupt. Doch Tochter Rosa hat ihr Tapetenwechsel verordnet, einen Urlaub gebucht und ihr zum Abschied ein Mobiltelefon geschenkt, damit sie in Verbindung bleiben können. Die Mutter musste mal raus. Schluss mit den Depressionen, weil ihr Mann sie verlassen hat. Schluss mit dem Klammern an die Tochter. Aber: Saras Flug hat sieben Stunden Verspätung, Zeit genug, die Gebrauchsanweisung zu studieren und vom Handy-Verächter zum Dauertelefonierer zu werden. Auch Claudia, Ende vierzig, Ex-Callgirl und Firmenchefin, telefoniert ständig und zwar mit Jan, Ende zwanzig, dem sie Geldund Liebesentzug androht, wenn er sie nicht sofort vom Flughafen wegholt. Und plötzlich detoniert eine Bombe, Chaos bricht aus und die Verbindungen brechen ab. Beide Frauen überleben das Attentat und werden im gleichen Flughafenhotel provisorisch untergebracht. Über Kreuz- und Quertelefonate, Mailbox-Nachrichten, weitergeleitete Ton- und Bildspeicherungen entsteht ein bizarres Beziehungsgewirr voller Missverständnisse und Irritationen. Zwischen den vier Personen entspinnt sich eine die Gemüter allseits erregende Verwechslungskomödie. Ein aberwitziges Spiel im Banne moderner Kommunikationsmaschinen, die zum Auslöser für große Emotionen und Geständnisse werden - und schließlich für ein Happy End, das jedwede mobile Kommunikation zunächst einmal überflüssig macht.

Sergi Belbel, 1963 geboren, ist ein katalanischer Schriftsteller und Regisseur und einer der bedeutendsten Gegenwartsdramatiker Spaniens. Seit 2005 ist Belbel Intendant des Nationaltheaters in Barcelona. Er studierte zunächst Romanische Philologie und übersetzte u.a. Racine, Goldoni und Molière ins Katalanische bzw. Spanische. Seine eigenen Stücke sind in zahlreiche Sprachen übersetzt, der Autor wurde dreimal mit dem Nationalpreis für katalanische Literatur ausgezeichnet. Seit 1988 arbeitet er auch als Regisseur. Im deutschsprachigen Raum wurde er vor allem bekannt durch sein Managerstück „Nach dem Regen“, das auch als Hörspiel inszeniert wurde.


Bemerkungen:

Die Idee hinter der Geschichte ist sehr durchdacht und hätte das Potential für eine unterhaltsame Hörspielstunde. Die aber bietet "Mobil" nur bedingt. Belbel beleuchtet hier satirisch die Welt der Mobiltelefonie und die derer, die sie nutzen, und erzählt eine groteske Verwechslungskommödie. Die ist letztlich aber ein wenig spröde, um vollkommen zu überzeugen, was vor allem an einigen kaum belastbaren Konstruktionen und einem wenig glaubwürdigem Figurenbild liegt. Man verläuft sich etwas zwischen Anspruch und Trivialität, so dass ich hier leider nur einen durchschnittlichen Unterhaltungswert attestieren kann.

Meine Wertung: + / -

 
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