| musaeum clausum von Ulrich Bassenge Komposition und Realisation: Ulrich Bassenge BR 2010 Mit Michael Habeck und Matthew Rouse Als einer der letzten Menschen, die alles wussten (wie sonst nur noch sein Zeitgenosse Athanasius Kircher) notiert Sir Thomas Browne (1605 - 1682) in einem nachgelassenen Text die Desiderata eines imaginären Museums: ein verschollenes Ovid-Gedicht ebenso wie ein – nie erschaffenes – Gemälde eines „Elefanten auf dem Hochseil – geritten von einem Neger-Zwerg“, ein Kruzifix aus Froschknochen oder ein Straußenei, bemalt mit einem Bild der Schlacht von Alcazar, in der drei Könige das Leben verloren. Die erträumte Wunderkammer des britischen Universalgelehrten ist nicht die erste ihrer Art (bereits ein Jahrhundert zuvor parodierte Rabelais eine imaginäre Bibliothek), aber eine der sprachmächtigsten. Zudem steht dieser Text wie kein anderer für die verlorene Zeit, in der Wissen, Kunst, Glauben wie selbstverständlich in eines zusammenflossen. Der Graben zwischen Information und Wissen, eine Wunde unserer Tage, war noch nicht aufgerissen. Ulrich Bassenge erforscht in seinem Hörspiel musaeum clausum den Verlust des universalen Wissens im Zeitalter des Internet. Als Komponist nähert er sich mit den Mitteln der elektroakustischen Musik den Klängen des 17. Jahrhunderts und der Prosa des großen englischen Stilisten. So entsteht eine unvollständige Geschichte des Sammelns. Ulrich Bassenge, geboren 1956 in München, Hörspielautor und -regisseur, Komponist und Musiker. Er verfasste und inszenierte zahlreiche Hörspiele u. a.: »shashlyk for paik« (2007), das Teil der permanenten Ausstellung des Nam Jun Paik Art Center in Südkorea ist, und »Walk of Fame« (2007), das mit dem ARD Online Award ausgezeichnet wurde. Außerdem komponiert er Hörspiel- und Filmmusiken, für die er u. a. einen Emmy erhielt (1993). |
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